Bankencrash? Ja bitte!

von Jörg Gastmann, erstmalig veröffentlicht am 10.10.2011 bei Bürgerstimme (bevor diese zur Putin-, Contra-Magazin und Kopp-Fanseite wurde, danach hat der Autor die Zusammenarbeit eingestellt)

BankencrashDie gleichen Politiker, „Experten“ und Massenmedien, die hinsichtlich der Lehmann-Krise und der anschließenden „Sozialhilfe für Banken“ bemängelten, daß sich danach nichts geändert hatte, haben selbst nichts dazu gelernt. Die Vertreter des Establishments propagieren das Ende der Welt, wenn die Banken nicht erneut „Sozialhilfe“-Billionen erhalten. Das kann man auch anders sehen.

Unter „Bankenrettung soll Finanzcrash verhindern“ schreibt der SPIEGEL, „die Rettungsaktion ist nötig, um eine fatale Kettenreaktion zu verhindern. Denn ein Crash des Finanzsystems könnte ganze Volkswirtschaften in den Abgrund stürzen – auch Deutschland.“

Ist das so? Was geschieht, wenn all diejenigen unter den Banken, die auf Kosten der Allgemeinheit Profite machen, ihre Verluste nicht mehr eben dieser Allgemeinheit in Rechnung stellen könnten? Gäbe es Massenkonkurse?

Das geschähe bei einem Banken-Crash

2.093 Bankgesellschaften in Deutschland betreiben 40.276 Bankfilialen und 60.012 Geldautomaten. Was würde geschehen, wenn einige, die meisten oder sogar alle Banken Insolvenz anmelden müßten?

Bei einem Konkurs sind die von einer Bank verwalteten Gelder keine Konkursmasse, weil sie ihr überhaupt nicht gehören. Die 4.933 Mrd. € Geldvermögen gehören den Privat- und Geschäftskunden – und bleiben auch bei einem Konkurs des Verwalters deren Eigentum. Zur Sicherung des Kundeneigentums bedarf es also nicht einmal des Einlagensicherungsfonds.

Bei Bankkonkursen geschieht das Gleiche wie bei Konkursen in anderen Branchen: Die Marktanteile von Unternehmen, die aus dem Markt ausscheiden, gehen an die Konkurrenz über. In diesem Fall an diejenigen Banken, die ihr Geschäft verantwortungsvoll betreiben.

Die Konkursverwalter würden – wie bei allen Unternehmen, die man sanieren kann – das alte Management ersetzen und den Geschäftsbetrieb weiterführen. Im Falle eines totalen Bankencrashs bietet sich zudem der Politik die Möglichkeit, den Bankensektor endlich den Bedürfnissen der Bürger anzupassen, das heißt, sie auf ihre systemrelevanten Funktionen zu beschränken: die Verwaltung von Konten, die Abwicklung des Zahlungsverkehrs sowie die Versorgung mit Bargeld und Krediten. Punkt. Würden alle Banken tatsächlich Insolvenz anmelden, wäre es ausreichend, eine einzige Bankengruppe weiter zu betreiben, nämlich die ohnehin in öffentlicher Hand befindliche Sparkassengruppe, die statt heute 35% künftig einen Marktanteil von 100% hätte. Aber dazu wird es nicht kommen, weil höchstwahrscheinlich nur 2 vollkommen überflüssige Banken abgewickelt werden (siehe unten).

Die Propaganda der Systemrelevanz

Keine einzige Bank ist systemrelevant, sondern nur die Gesamtheit aller Banken. Und die ist nicht gefährdet, weil selbst bei einem Kollaps von 2.000 Banken genug Banken übrig blieben. Die Sparkassen bleiben (siehe oben) in jedem Fall bestehen, um das zu tun, wozu Banken da sind: Konten und Depots verwalten, den Zahlungsverkehr abzuwickeln und Bürger (1.317 Mrd. € Kreditvolumen) und Unternehmen (1.022 Mrd. € Kreditvolumen) mit Krediten zu versorgen. Letzteres funktioniert heute übrigens kaum. Ein Grund mehr, im Bankenbereich einmal richtig aufzuräumen.

Nur 3 deutsche Banken sind nennenswert betroffen

Wie die Buergerstimme am 09.06.2011 unter „Die Wahrheiten über die Griechenland-Euro-Krise“ berichtete, führen lediglich die KfW und die beiden überflüssigsten deutschen Banken – die Hypo Real Estate und die WestLB – in größerem Umfang griechische Anleihen in ihren Büchern. Für die staatliche KfW wäre der Verlust leicht verkraftbar, und bei Hypo Real Estate und WestLB kann ohnehin kein Fachkundiger erklären, warum man diese Bad Banks nicht längst beerdigt hat.

Eine Welt ohne Deutsche Bank ist vorstellbar

Selbst wenn die Deutsche Bank bankrott ginge: Eine Welt ohne Deutsche Bank ist nicht nur vorstellbar, sondern aufgrund des Ausfalls eines Großspekulanten eine bessere Welt. Wie sagte die Staatsanwaltschaft Los Angeles über die Deutsche Bank, die finanzschwache Bewohner widerrechtlich aus ihren Häusern werfen läßt: „Die Deutsche Bank ist nicht das einzige Kreditinstitut, das gegen das Gesetz verstoße. Sie ist aber der schlimmste und am wenigsten zugängliche Übeltäter.

Banken und Staatsschuldenkrise

Hanno Beck, Wirtschaftsprofessor an der Hochschule Pforzheim, wird im SPIEGEL mit einer Aussage zitiert, die leider nicht journalistisch hinterfragt wird. Gemäß Prof. Beck sei „die Bankenrettung die einzige Chance, die Staatsschuldenkrise zu lösen.“

Auch das ist vollkommen falsch und zeigt, daß viele Wirtschaftsprofessoren nicht Teil der Lösung, sondern Teil des Problems sind. Um ein Problem zu lösen, muß man dessen Ursache beseitigen. Die Ursache der Staatsschuldenkrise liegt in zu niedrigen Einnahmen fast aller Staatshaushalte der Welt. Nicht nur in Griechenland, sondern in fast allen Ländern der Welt inkl. Deutschland werden die Steuersysteme von der Wirtschaft umgangen – mit Rückendeckung der Regierungsparteien.

Bankraub – moderne Version

„Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?“ … erkannte Bertolt Brecht in der „Dreigroschenoper“. Wie moderner Bankraub – also Raub durch Banken – funktioniert, zeigen die Franzosen, die bei der neuesten Rettungsfonds Kreation EFSF sofort zugunsten ihrer Banken in die Kasse greifen wollten. Das war sogar für die Bundesregierung zu dreist.

Ursache: Korruption der Regierungen?

Warum erklären Regierungen und deren Helfer entgegen aller Fakten die Banken-Sozialhilfe als alternativlos? Dazu muß man sich fragen: „Cui bono? – Wer profitiert?“ Folgen wir dem Weg des Geldes: Das Geld der Steuerzahler fließt an die Griechen. Die Griechen zahlen davon Kredite an ausländische Banken zurück und haben anschließend noch höhere Schulden. Die Banken schütten die Gewinne aus dem Staatsanleihen-Investment (dessen Risiko der Steuerzahler übernommen hat) an ihre Aktionäre aus. Wer sind diese Aktionäre? Wer sponsert offen und vor allem verdeckt die Regierungsparteien? Die finanzielle Oberschicht, siehe „Wer die Fäden zieht“ und „Wer sind die Gläubiger des Schuldenstaates“ von Hans Jürgen Krysmanski.

Sind Bankenrettungen also nichts anderes als Sozialmißbrauch durch die finanzielle Oberschicht im gigantischen Stil, frei von Moral und Scham?

Lassen wir es krachen!

Lassen wir es doch mal richtig krachen! Sehen wir zu, wie Spekulanten Milliarden verlieren! Sehen wir zu, wie Bankaktionäre Vorstände feuern, die ihr Geld verspekuliert haben. Sehen wir zu, wie die Seuche der Spekulation einen Dämpfer erhält!

Aber leider wird es einen solchen Crash nicht geben. Nur eine Blamage für Diener des Großkapitals, die uns mit unbegründeten Weltuntergangsängsten manipulieren.

<p“>Schließen wir mit einem weiteren Brecht-Zitat: „Wer A sagt, der muß nicht B sagen. Er kann auch erkennen, daß A falsch war.“