Froschkoch des Monats Dezember 2016: Henrik Müller, Spiegel Online

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Trickle Down Effekt

Einlullen, schönreden, dementieren: Die Bewahrer des Status Quo wollen, dass das politische und ökonomische System immer weiter läuft. Gegen alle Vernunft. Gegen die Interessen der Mehrheit. Und grundsätzlich nicht zu Ende gedacht. Auch im Dezember war das Gedränge um den „Froschkoch des Monats“ (mehr über diesen Preis: hier) groß wie selten zuvor. Unsere Jury beschloss, einen Kandidaten zum „Froschkoch des Monats“ für den Monat Dezember 2016 zu küren, der sich jeden Monat aufdrängt und ein Musterbeispiel neoliberaler Propagandisten ist: Henrik Müller, Kolumnist bei Spiegel Online, für seine Fake News: „Wirtschaft gut, Stimmung schlecht – Wie Pessimisten Deutschland in die Krise treiben.“

Gefangen in der selbst verschuldeten Unmündigkeit

„Aufklärung ist der Ausgang des Menschen aus seiner selbst verschuldeten Unmündigkeit. Unmündigkeit ist das Unvermögen, sich seines Verstandes ohne Leitung eines anderen zu bedienen. Selbstverschuldet ist diese Unmündigkeit, wenn die Ursache derselben nicht am Mangel des Verstandes, sondern der Entschließung und des Mutes liegt, sich seiner ohne Leitung eines anderen zu bedienen. ‚Sapere aude! Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen!‘ ist also der Wahlspruch der Aufklärung.“ (Immanuel Kant)

Ein typischer Froschkoch will sich buchstäblich „ums Verrecken“ nicht seines Verstandes bedienen. In der Regel sind solche Leute sehr intelligent, aber konfliktscheu und bequem. Froschköche verteidigen das kapitalistische Wirtschaftssystem mit Zähnen und Klauen. Gegen alle Vernunft, gegen empirische Beweise und Logik, gegen die Menschlichkeit und gegen das unübersehbaren Scheitern „seines“ Systems. Warum macht das jemand? Weil diese Person entweder unfassbar inkompetent, unfassbar boshaft, oder eine Mischung aus beidem ist. Der Lebenslauf eines Froschkochs ist oft ein Indiz für sein „Gedankengebäude“, wie es Psychologie-Professor Dietrich Dörner in seinem genialen Buch „Die Logik des Misslingens“ beschriebt: Im eigenen Gedankengebäude kennt man sich aus. Außerhalb wird es ungemütlich. Also verlässt man es nicht, schmort im eigenen Saft und fühlt sich bestätigt, weil andere Perspektiven einfach ignoriert werden.

Qualifikation: Studium der Gehirnwäsche

Henrik Müller absolvierte ein „Gehirnwäsche-Studium“ in VWL, einem Fach, das in akademischen Elfenbeintürmen losgelöst von der Realität „um sich selbst kreist“.

  • Infolgedessen glaubt Müller an unendliches Wachstum in einer endlichen Welt. Dazu zitieren wir den berühmten Ökonomen Kenneth Boulding: „Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.
  • Er glaubt an Wohlstand durch maximale Produktivität, also dadurch, daß die Menge an Gütern, die verkauft werden kann, durch möglichst wenige Menschen hergestellt werden soll.
  • Er glaubt, die globale Lohnkostenkonkurrenz sei ein Segen für Arbeitnehmer, die deshalb zwar arbeitslos werden, aber niedrige Preise beim Discounter großartig finden. Dass die Menschen nicht arbeitslos wären und höhere Einkommen hätten, wenn die Preise etwas höher wären, liegt außerhalb seines neoliberalen Horizonts.
  • Von der Schweiz oder Norwegen, in der hohe Preise kein Problem sind, weil die Menschen sehr noch höhere Einkommen und eine höhere reale Kaufkraft haben, hat er noch nie etwas gehört.
  • Er will möglichst viele Menschen wegrationalisieren, um die Wettbewerbsfähigkeit zu erhöhen und die Profite der Unternehmenseigentümer zu maximieren. Gleichzeitig wundert er sich, warum die Schere zwischen arm und reich auseinander reißt.
  • Vor dem mittelfristig massiven Verlust von Arbeitsplätzen durch Automation, Roboter, Computer, Software und künstliche Intelligenz schließt er die Augen.
  • Den Export deutscher Arbeitslosigkeit in weniger wettbewerbsfähige Länder sieht er nicht.
  • Niedriglohn ist für ihn kein ernsthaftes Problem, so lange volkswirtschaftliche Kennzahlen wie Arbeitslosenraten und BIP einen schönen Schein aufrechterhalten.
  • Da in seiner Welt die Hauptursachen von Arbeitslosigkeit und Niedriglohn auf unerklärliche Weise keine Wirkung haben, gleichzeitig aber die Wirtschaft unendlich wächst, glaubt er an einen steigenden Arbeitskräftebedarf. Zur Schließung des seiner Meinung nach nicht vorhandenen Arbeitsplatzverlustes durch Automation will er möglichst viele Zuwanderer importieren. Dass diese Zuwanderer (oder entsprechend viele Inländer) arbeitslos sein werden, und dass das Überangebot Arbeitsuchender die Löhne noch weiter drücken wird, versteht er nicht.

2000 wechselte Müller zur marktradikalen Zeitschrift „manager magazin“, wo er das neoliberale Gift und die Fixierung auf die Perspektive der Unternehmenseigentümer sein Hirn durchfluten ließ, wurde er zur Belohnung 2009 zum stellvertretenden Chefredakteur ernannt. 2013 übernahm er die neugeschaffene Professur für wirtschaftspolitischen Journalismus an der Technischen Universität Dortmund und verbreitet dort neoliberale Arbeitgeber-Propaganda. Besonders tragisch für alle Studenten solch soziologischer Fächer: Wer gute Noten haben will, muss die Ansichten seines Professors vertreten. Alternative Wirtschaftsmodelle finden bei „Professor“ Müller nicht statt. Kapitalismus ist seine Religion, Kritik muss seines Erachtens niedergeschrieben werden.

Ist Henrik Müller nun inkompetent, weil er nicht weiß, was er tut? Oder ist er boshaft, weil er weiß, was er tut? Oder eine Mischung aus Beidem? Bilden Sie sich eine eigene Meinung durch einen Blick auf seine Aussagen bei Spiegel Online:

Beispiel: „Wirtschaft gut, Stimmung schlecht – Wie Pessimisten Deutschland in die Krise treiben“:

Für diesen Artikel erhielt Müller den „Froschkoch des Monats:

Weitere Beispiele

Dass Müllers neoliberale Froschküche kein Einzelfall, sondern die Regel ist, zeigen beispielhaft folgende Kolumnen:

  • Müller: „Wer das Problem der Altersarmut lösen will, hat genau zwei Möglichkeiten: Rente mit 75 und mehr Zuwanderung. Beides unpopulär, beides nötig“.
    Wer bekommt denn mit 60 noch einen Job, oder gar mit 70? Wer hält bis 75 durch? Die wenigsten Menschen genießen den Luxus eines leichten Jobs wie Müller. Unter seiner Käseglocke hat er offensichtlich einen eher geringen Bezug zur Realität und zur Lebenswelt normaler Menschen. Jeder, der eine Rente mit 75 fordert, ist asozial. Ökonomen, die das fordern, haben offenbar außerhalb ihres gehirngewaschenen Gedankengebäudes keine Lösungen und sind daher Teil des Problems.
    Zuwanderung löst das Problem nicht, da die Zahl der Arbeitsplätze zurück geht (siehe oben) und Zuwanderer eher im Niedriglohnbereich landen, wo sie kaum Sozialbeiträge einzahlen und in der Regel in der Altersarmut landen werden – was das Problem verschärft.
  • Müller als Banken-Lobbyist: „Die Banken leiden massiv unter den Niedrigzinsen. Banken verdienen klassischer Weise an der Differenz zwischen kurzfristigen und langfristigen Zinsen.“
    Das ist vollkommen falsch. Banken verdienen an der Differenz zwischen Zinskosten und Zinserträgen. Bei Niedrigzinsen ist die Differenz – also die Marge – höher, während das Kreditausfallrisiko sinkt. Beides nutzt den Banken. (mehr unter „Niedrigzinsen: Kein Grund für Bankenkrise„)

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