Ein aktueller Anlass führte zu einem Gastbeitrag bei Telepolis. Der Beitrag basiert auf dem gleichnamigen Unterkapitel 1.3.5. aus dem Buch „Die Geldlawine“, aus dem heraus economy4mankind entstand:

Arbeitsverweigerer sind nützlich für Arbeitnehmer

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Karlheinz Busen fordert für gesunde ALG-II-Bezieher unter 35 die Wahl zwischen Zwangsarbeit und Hungertod. Diese Argumentation ist auch ökonomisch fragwürdig.

„Bis zum 35. Lebensjahr würde bei mir kein gesunder Bürger einen Cent Arbeitslosengeld II ohne Gegenleistung bekommen. Außer bei Krankheit könnte jeder auch Spargel stechen. Die Menschen müssen einfach mehr rangenommen werden.“, erklärte Busen der Rheinischen Post. Ob er so weit gedacht hat und in Kauf nimmt, dass „kein Cent ohne Zwangsarbeit“ zwangsläufig den Hungertod für Arbeitsverweigerer bedeutet, ist unklar, da die Rheinische Post diese naheliegende Frage nicht stellte.

Die Ideologie

Busens originelle Begründung: „Der Arbeiter, der 40 Stunden in der Woche schrubbt, ist frustriert, wenn Hartz-IV-Empfänger mit Mietzuschuss und Freibeträgen für andere Leistungen ähnlich viel Geld haben, ohne einen Finger zu rühren.“ Womöglich hat sich der Abgeordnete Busen die Welt am Sonntag vom 20.07.2003 eingerahmt und an die Wand gehängt. Dort versuchte Journalist M., seinen Lesern knochenharte Feldarbeit-Billigstjobs als Quelle des Glücks zu verkaufen. Im Erdbeerpflücker-Selbstversuch erklärte M., ihn „durchströmte das Gefühl, dass diese Stunden wertvoll sind – ein Gefühl des Aufgehobenseins, des Miteinanders, gepaart mit der Ahnung, dass all dies einen Sinn ergibt, das Feld, der Frühtau. Nach einer weiteren halben Stunde bekomme ich starke Rückenschmerzen.“ Ende des Selbstversuchs. Für 50 Cent pro Erdbeerkiste.

Die Ideologie „Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen“ stammt übrigens nicht von den Volksvertretern Karlheinz Busen oder Franz Müntefering, sondern aus der Bibel, 2. Brief des Paulus an die Thessalonicher. Da hat Paulus offenbar ebenso wie die Christdemokraten und die Christsozialen ihrer theoretischen Leitfigur Jesus nicht zugehört, als dieser sagte: „Seht die Vögel unter dem Himmel an: Sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater ernährt sie doch.“. Die NSDAP war dagegen gnadenlos. In ihrem 25-Punkte-Programm vom 24.02.1920, Punkt 11 http://www.documentarchiv.de/wr/1920/nsdap-programm.html fordert sie: „Abschaffung des arbeits- und mühelosen Einkommens.“ Soll die NSDAP der Maßstab für Sozialleistungen sein?

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By |2019-01-09T22:20:15+00:00Januar 9th, 2019|Gesellschaft, Ökonomie|

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