TUIFly Massenkrankmeldungen: Ideale Alternative zum Streik

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Respekt für die Angestellten von TUIfly! Statt eines verbotenen „wilden Streiks“. meldeten sich „rein zufällig“ fast alle gleichzeitig krank. Ergebnis: Arbeitgeber in die Knie gezwungen, DGB, IG Metall & Co. blamiert, kein Cent Gehalt verloren und keine Streikkasse mit Streikgeld belastet. Und vor allem: Ein Zeichen gesetzt für andere Arbeitnehmer.

„Heute sind die wilden Streiks die einzigen wirklichen Klassenkämpfe der Arbeiter gegen den Kapitalismus.“ (Anton Pannekoek)

Am 3. Dezember 2010 meldeten sich über 90 % aller spanischen Fluglotsen krank oder erschienen unangemeldet nicht zur Arbeit. Daraufhin brach der gesamte Flugverkehr über Spanien zusammen.

Nach Vorbild der spanischen Fluglotsen meldeten sich gestern „rein zufällig“ so viele Piloten und Flugbegleiter von TUIFly krank, dass mindestens 86 von 108 Flugverbindungen lahmgelegt wurden. Entgegen der Behauptung von TUIFly, man könne Entschädigungen für Fluggäste mit dem Verweis auf höhere Gewalt abbügeln, erklärte hingegen der Reiserechtler Paul Degott: „Interne Probleme wie bei TUIfly und Air Berlin sind keine außergewöhnlichen Umstände oder höhere Gewalt„. Die Schäden durch die ausgefallenen Flüge treffen den Arbeitgeber also voll.

Warum die meisten Gewerkschaften solche Aktionen ablehnen

Für die meisten Gewerkschaften liegt de Top-Priorität nicht bei den Arbeitnehmern, sondern bei den eigenen Interessen. Nichts ist schlimmer, als die Macht zu verlieren bzw. zugeben zu müssen, dass sie sie längst verloren haben. Erfolgreiche wilde Streiks sind daher für die Gewerkschaften eine existentielle Bedrohung, da sie den Arbeitnehmern zeigen, dass sie ohne handzahme Gewerkschaften mehr erreichen. Das betrifft vor allem den DGB, dei IG Metall und ver.di.

Alarm bei den Neoliberalen

Der heute meistgelesen Artikel beim arbeitnehmerfeindlichen Revolverblatt „Focus“ lautet: „Krankmeldungen bei Tuifly weisen Anzeichen eines illegalen Streiks auf„. Hagen Lesch von der neoliberalen Propaganda-Organsation „Institut der Deutschen Wirtschaft“ erklärt: „Streik gegen unternehmerische Entscheidungen ist unzulässig.“ Seine Empfehlung: „Wenn es gelingt, die kollektiven Vertretungsorgane von unpopulären, aber notwendigen Veränderungen zu überzeugen, lassen sich auch die Mitarbeiter eher davon überzeugen.“

Wir übersetzen das mal: „Durch die Fusion von Air Berlin und TUIFly wird es nicht nur Entlassungen geben. Die verbliebenen Arbeitnehmer haben auch Lohnkürzungen hinzunehmen. Die Gewerkschaften sind machtlos und werden dem zustimmen, wenn das von der Regierung vorgeschriebene Verhandlungsritual eingehalten wird. Die Bundesregierung ist wiederum von den Arbeitgebern gesteuert. Also wird es keine Gesetze geben, die den Interessen der Arbeitgeber nennenswert zuwider laufen.“

Wichtig: Nicht erwischen lassen!

Die Vortäuschung einer Krankheit gilt als Betrug. Also gilt die Devise u.a. der Deutschen Bank: „Bei illegalen Dingen möglichst nicht erwischen lassen.“

So lange 2 und 2 vier ist, hat jemand die Massenkrankmeldungen koordiniert. Das wäre ein Aufruf zum Betrug (Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, ohne krank zu sein, in Kombination mit vorsätzlicher Schädigung des Arbeitgebers). Also müssen diejenigen, die es koordiniert haben, abstreiten, auch nur irgendetwas davon gewusst zu haben. Am besten verurteilen es die Drahtzieher „auf das Schärfste“ und distanziere sich klar von jeglichem Missbrauch der Krankmeldungen.

Die Flugbegleitergewerkschaft Ufo leugnete jegliche Verantwortung für die massenhaften Krankmeldungen und erklärte. „Das ist definitiv kein Mittel zum Arbeitskampf für uns. Wir rufen dazu nicht auf und distanzieren uns sich klar von einem möglichen Missbrauch.“

Darauf ein dreifaches Zwinkersmiley! 😉 😉 😉

Gehirngewaschene und neoliberale Menschen

tuifly massenkrankmeldung

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Da der Arbeitsmarkt extrem zugunsten der Arbeitgeber ausgerichtet ist und die Gewerkschaften teils unwillig, teils machtlos zuschauen (siehe oben), finden wir es völlig legitim, sich zur Wehr zu setzen. Es geht um die Existenz der Betroffenen. Da ist eine solche Aktion keine legale, aber legitime (man beachte den Unterschied) Notwehr.

Es ist immer wieder aufschlussreich, wie Menschen / Bürger / Wähler reagieren, wenn sie von Widerständen gegen den Neoliberalismus erfahren.

Viele reagieren resigniert nach der Devise „da kann man nichts machen“. Wirklich unverzeihlich sind aber die Vielen, die sogar den Widerstand gegen die Herrschaft des Marktes bekämpfen.

Typisch sind Kommentare wie auf der Facebook-Seite des Handelsblatts, wie sie sie auf diesem Screenshot sehen.

Wie erklärt sich so etwas?

Marktgläubige sind Schafe

Setzen wir dieses verhalten einmal in Beziehung zu diesem sozialen Experiment:

Nun wissen wir, warum Neoliberale und Wähler der etablierten Parteien tun, was sie tun…

Das Phänomen beschreibt übrigens auch das „Affen-Experiment„.

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