Verbot / Abschaffung von Werbung: Die Konsequenzen

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Verbraucherschutz, Betrug, Irreführung, Luft in Verpackung

(Bild: Irreführende Werbung und Verpackung)

Werbung nervt – fast immer. Sie weckt Wünsche, die man vorher nicht hatte. Sie „verleitet“ zum Konsum. “Konsumterror”. Schlimm. Oder? Im Gegenteil. Ohne Werbung würden so gut wie alle Menschen sterben. Wer Werbung abschaffen will, hat die Konsequenzen nicht durchdacht. Ohne Werbung sind nicht nur Werbeschaffende arbeitslos, sondern nach und nach alle, sogar Beamte. Lesen Sie nachfolgend die Begründung, warum ein vollständiges Verbot von Werbung zu einer Mad Max-Apokalypse führt.

Sei vorsichtig mit deinen Wünschen, sie könnten in Erfüllung gehen. (Asiatisches Sprichwort)

Was ist Werbung?

Werbung ist nicht nur die Beeinflussung von Kaufentscheidungen. Werbung ist auch das Erregen von Aufmerksamkeit, um überhaupt wahrgenommen zu werden.

Laut verschiedenen Quellen wird jeder Bundesbürger täglich 3.000 bis 30.000 mal mit Werbung bombardiert. Das ist natürlich Unsinn. Zählen Sie einmal einen Tag lang jede Werbung, die Sie bewusst wahrnehmen, weil sie danach suchen. Sie werden auf eine 3-stellige Zahl kommen. Wenn Sie nicht danach suchen, werden Sie wahrscheinlich nicht mehr als 20-30 x täglich mit Werbung konfrontiert. Wenn Sie Werbung bewusst ausweichen (siehe unten), erreicht sie keine einzige Werbebotschaft. Zahlen von 3.000 bis 30.000 kommen zustande, wenn man alle TV-Sender gleichzeitig 24 Stunden lang anschaut, während man alle verfügbaren Zeitungen, Zeitschriften, Prospekte, gleichzeitig liest, usw.

Jede Kommunikation ist Manipulation

Man kann nicht kommunizieren, ohne dass der Sender den Empfänger manipuliert. Wer jemanden anlächelt oder einen guten Tag wünscht, manipuliert ebenso wie jemand, der wütend oder vollkommen emotionslos kommuniziert. Wer eine emotionslose Kommunikation erlebt, empfindet das als negativ.

Kommunikation erfolgt nicht nur durch Worte oder Mimik. Auch Schönheit und Hässlichkeit manipulieren die Betrachter. Farben wecken Assoziationen. Blaugelb verpacktes Waschmittel wird z.B. von Testpersonen als erheblich wirksamer eingeschätzt als grün oder rot verpacktes. Farben und Formen von Produkten und Logos manipulieren. Eine nüchterne oder aufwendige Schaufensterdekoration manipuliert. Jede Form von Design manipuliert. Jedes Produktfoto manipuliert. Namen manipulieren.

Mit anderen Worten: Werbung ohne Manipulation ist unmöglich. Nicht einmal eine scheinbar neutrale Liste von Produkten verschiedener Anbieter, die lediglich Produktdaten und Artikelnummern enthalten, sind neutral, da hier bereits die bloße Position manipuliert (siehe Google-Rankings).

Und schließlich: Welcher Kunde will auf Produktbilder, ein ansprechendes Design und andere Dinge verzichten, die über Gefallen und Nicht-Gefallen entscheiden?

Womit wird geworben?

Werbemedien sind vielfältig:

  • TV-Werbespots
  • Radio-Werbung
  • Persönliche Verkaufsbespräche
  • Internet-Werbung durch Banner, Pop Ups und Videos
  • Google-Suchergebnisse
  • Inhalte von Webshops
  • Schaufenster im Einzelhandel
  • Aufdrucke auf Verpackungen
  • Plakate
  • Werbeaussagen auf Produktverpackungen
  • Anzeigen in Printmedien
  • Apps
  • Prospekte
  • Mailings
  • Beschriftungen an Ladenlokalen und Fahrzeugen
  • Branchenbücher
  • Sponsoring
  • Eventmarketing
  • Product Placement

Werbung generell zu verbieten heißt, all das zu verbieten. Wer hier Werbung teilweise zulassen will, muss wohlbegründet definieren, was erlaubt ist und was nicht. Das ist nicht wirklich möglich.

Wer wirbt?

Werbung erfolgt nicht nur durch Großkonzerne, sondern auch durch:

  • Kleinunternehmen und Mittelstand
  • Wohltätigkeitsorganisationen und Sozialverbände
  • Ärzte
  • Krankenhäuser
  • Kirchen
  • Parteien
  • Petitionen
  • Aufklärungskampagnen z.B. bei Umwelt- und Gesundheitsthemen
  • Blogs (z.B. wir auch – durch Weiterempfehlungen)

Warum sollte man diesen Werbenden verbieten, auf ihre Leistungen und Anliegen aufmerksam zu machen?

Geworben wird nicht nur für Überflüssiges und Schädliches, sondern auch z.B. für:

  • Gesundheits-Prävention
  • Obst und Gemüse
  • Krebsvorsorge
  • Spenden für die 3. Welt
  • Strom aus erneuerbaren Energien
  • Knochenmarkspenden
  • Blutspenden
  • Fahrräder
  • politische Überzeugungen

Gute Werbung, schlechte Werbung

Es kommt also erstens darauf an, wer wofür wirbt. Zweifellos wird sowohl für sinnvolle als auch für schädliche Dinge geworben. Warum soll man nicht für nützliche und sinnvolle Dinge werben dürfen? Und wer entscheidet z.B., für welches Gemüse aus welcher Anbaumethode geworben werden darf? Wie grenzt man das ab? Für Knochenmarkspenden muss die DKMS zweifellos werden dürfen. Für schädliche und nutzlose Pharmaprodukte sollte nicht geworben werden dürfen. Bei Alkohol und Tabak sind die Trinker und Raucher ganz anderer Meinung als der Rest der Menschen. Hier sollten demokratisch legitimierte politische Entscheidungen getroffen werden, was zulässig ist und was nicht. Es spricht für die Korruption des Bundestags durch die Alkohol- und Tabaklobby, dass diese Produkte beworben werden dürfen, während Cannabis mangels Lobby verboten ist.

Zweitens kommt es darauf an, ob Werbeaussagen vollkommen wahr sind, nur teilweise wahr oder komplett gelogen.

Drittens ist die Frage, ob und wie sehr Werbeaussagen manipulieren.

Gesetze: Vorhanden, kaum angewendet

Aggressive, belästigende und irreführende Werbung (einschließlich dem verschweigen wichtiger Tatsachen) ist gemäß dem „Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb“ (UWG) strafbar.

Allerdings wird es so gut wie nie angewendet, siehe u.a. Abgaswert-Manipulation oder Verbrauchsangaben-Manipulation der Automobilhersteller. Hier sind die Regierungsparteien Komplizen der Konzerne. Was auch wieder mal nur durch Korruption in Bundestag und Regierung erklärbar ist.

Foodwatch kann noch so oft Verbrauchertäuschungen bloßstellen oder den „Goldenen Windbeutel“ verleihen: Es bleibt für die Straftäter, Täuscher und Trickser praktisch immer folgenlos. Auch das ist nur durch Korruption in den Regierungsparteien erklärbar.

Zum Schutze der sozialen Marktwirtschaft gibt es mit dem UWG ein klares und weitgehend ausreichendes Regelwerk, um der Bildung von Monopolen entgegenzuwirken. Damit dem juristischen Laien bezüglich der Komplexität dieser Gesetzmäßigkeiten eine Hilfestellung geboten wird, hat der Berufsverband der Rechtsjournalisten e.V. erst kürzlich seine Ratgeberseite “UWG: Das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb veröffentlicht. “Der Schutz der Mitbewerber”, “Aktive Irreführung der Verbraucher”, “Belästigung auf unzumutbaren Niveau”, “Mögliche Rechtsfolgen bei unlauteren Handlungen” – diese und viele weitere Aspekte werden hier behandelt.

“Konsumterror”? Abschalten, umschalten, wegschauen

“Konsumterror” – was soll das sein? Wird irgendjemand gezwungen, Werbung zu schauen und überflüssige Produkte zu kaufen? Wer definiert, was überflüssig ist?

Gegen alle Werbeformen kann sich jeder ganz einfach wehren: Abschalten, umschalten, wegschauen. Gegen aggressive, nervende, wild blinkende Werbung im Internet helfen auch Adblocker, die mitterweile rd. 25% aller Benutzer installiert haben. Der von Forschern der US-Universitäten Princeton und Stanford entwickelte Adblocker „Perceptual Ad Blocker“ (für den Browser Chrome) soll sogar 100% aller Werbung unterdrücken können.

Werbeverbot, Konsequenz 1: Produkte verschwinden

Praktisch alle großen Websites sind entweder werbefinanziert oder reine Werbung. Bei einem Werbeverbot wären alle Zeitungen und Magazine gezwungen, ihre Websites durch kostenpflichtige Abos und Artikel zu finanzieren – oder die Websites einzustellen.

Da kaum jemand bereit ist, für spiegel.de, sueddeutsche.de etc. Geld auszugeben, gäbe es keine privaten Nachrichten-Websites mehr. Auch unabhängige kleine Medienplattformen bzw. Blogs wie Telepolis müssten wohl aufgeben.

Sofern Spendenaufrufe als Werbung gewertet werden, sind auch KenFM, Jung & Naiv und alle anderen Blogger / Vlogger nur noch als Hobby weiter betreibbar – also in geringer Frequenz, geringer Qualität oder gar nicht mehr.

Facebook gäbe es genau so wenig wie Google oder YouTube, Yahoo und alle kostenlosen Email-Angebote. Apps wie WhatsApp könnten nicht finanziert werden und würden eingestellt, ebenso praktisch alle Apps außer denen des Betriebssystems.

Und es kommt noch dicker:

Werbeverbot, Konsequenz 2: Abwärtsspirale zur Mad Max Apokalypse

Was diejenigen, die Werbung verbieten wollen, auch vollkommen übersehen: Jeder Job hängt an Werbung. Jeder. Nicht nur die in Werbeagenturen. Jedes Unternehmen muss Kunden finden. Ohne Werbung ist es in der Anfangsphase kaum möglich, Autos, Haushaltsgeräte, Bücher, Maschinen oder Reinigungsdienstleistungen zu verkaufen.

Nehmen wir an, das Werbeverbot gälte weltweit. Dann könnten Unternehmen nicht ins Ausland ausweichen, um dort zu werben und zu verkaufen.

Zu Beginn würden sich die Kunden an bekannte Lieferanten und Produkte erinnern. Neukundengeschäft gäbe es ohne Werbung allenfalls durch persönliche Empfehlungen, also weitaus weniger als vorher. Die Umsätze würden je nach Geschäftsmodell und Produktkategorie bei manchen Unternehmen um 5% im ersten Jahr zurückgehen, bei anderen um 90-100% (Werbebranche, alle privaten Medien).

Wer Umsatzrückgänge zu verkraften hat, muss Personal entlassen. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Kaufkraft sinkt, die Umsätze sinken weiter. Damit sinken auch die Steuereinnahmen. Bund, Länder und Gemeinden müssen Arbeitsplätze abbauen.

Die Umsätze sinken weiter. Neue Produkte sind praktisch chancenlos auf dem Markt, da kaum jemand von ihrer Existenz und ihrem Zusatznutzen erfährt. Die Unternehmen, die mit Umsatzeinbußen zu kämpfen haben, fahren Neuentwicklungen zurück, da sie sich nicht amortisieren können. Es gibt so gut wie keine Investitionen mehr in medizinische Forschung, erneuerbare Energien, modernere Maschinen und Fahrzeuge, etc. Unternehmen maximieren ihre Profite, indem sie von der Substanz zehren.

Da Umsätze, Kundenzahl und Kaufkraft immer weiter sinken, wird früher oder später der Punkt erreicht, an dem eine wirtschaftliche Massenproduktion nicht mehr möglich ist. Die Autoindustrie macht als erste dicht. Nach und nach folgen Reiseanbieter, Hotels, Hersteller und Händler von Haushaltsgeräten, Unterhaltungselektronik, Computer, Maschinenbau, Chemie, Kunststoffverarbeiter, Lebensmittelhersteller, etc. Deren Produkte verschwinden vom Markt, und auch alle damit verbundenen Arbeitsplätze.

Die Steuereinnahmen sind so niedrig, dass der Staat implodiert. Beamte und Angestellte können nicht mehr bezahlt, Rechnungen nicht mehr beglichen werden. Die Infrastruktur verfällt.

Da die Arbeitslosenversicherung keine nennenswerten Einnahmen mehr hat, gibt es keine Sozialleistungen mehr. Hungeraufstände brechen aus.

Diejenigen, die das Werbeverbot gefordert und durchgesetzt haben, werden von wütenden Menschen am nächsten Baum aufgehängt. Polizei und Militär können Regierenden und Mächtigen nicht schützen, da es keine Polizisten und Soldaten mehr gibt. Die Welt versinkt in anarchistischem Chaos.

Aber niemand wird mehr von Werbung belästigt. Herzlichen Glückwunsch.

Disclaimer

Ich verdiene meinen Lebensunterhalt durch Werbung. Und zwar durch Suchmaschinenoptimierung für Websites. Ich bringe Websites meiner Kunden auf Seite 1 bei Google – meist auf einen der ersten 5 Plätze. So werden sie von potentiellen Kunden gefunden, die einen Bedarf an den Produkten und Leistungen meiner Kunden haben – und das Geld dafür.