Wie dpa-Meldungen zu Propaganda werden -Froschkoch des Monats Januar 2017

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propaganda mainstream medien

Die Massenmedien hängen an den Tickern der Nachrichtenagenturen und entscheiden, ob und wie ein Artikel daraus wird. Das folgende Beispiel honorieren wir mit dem „Froschkoch des Monats“ (mehr über diesen Preis: hier). Denn es zeigt anschaulich, wie die Massenmedien fragwürdige Zahlen zu einer politischen Propaganda verfälschen. Und diese Art der „unauffälligen Propaganda“ ist dermaßen alltäglich, dass sie besonders beleuchtet werden muss.

Die Definition von Propaganda

„Propaganda“ ist ein Vorwurf, dem die Propagandisten natürlich stets widersprechen. Folglich muss zunächst einmal definiert werden, was Propaganda eigentlich ist. Die Bundeszentrale für politische Bildung (bpb, untersteht dem Bundesinnenministerium und damit der Bundesregierung) definiert Propaganda wie folgt:

„Charakteristisch für Propaganda ist, dass sie die verschiedenen Seiten einer Thematik nicht darlegt und Meinung und Information vermischt.“

 

Rainer Mausfeld, Professor für Wahrnehmungspsychologie und Kognitionswissenschaften, stellte fest:

„Nach diesem staatlich zertifizierten Kriterium sind 90% unserer Leitmedien Propaganda.“

Siehe nachfolgenes Video ab Minute 55:09:

Propaganda: 1,9%-„Boom“, „historisch günstiger Arbeitsmarkt“

„Boom“ betitelte Nicolai Kwasniewski vom Spiegel das Wirtschaftswachstum – von sage und schreibe… halten Sie sich fest: 1,9%. Die „Kauflust“ der Verbraucher sei neben Ausgaben des Staates für die Unterbringung von Flüchtlingen die Ursache. Den Bundesbürgern sitze „das Geld locker“, und die Lage auf dem Arbeitsmarkt sei „historisch günstig“. Der „Immobilienboom“ sorge „für Schwung“. Zum dritten Mal in Folge habe der Staat mehr Geld eingenommen als ausgegeben.

Eine der üblichen Kurzmeldungen der dpa (Deutsche Presseagentur) übernahm Herr Kwasniewski und interpretierte sie tendenziös, ohne verschiedene Seiten der Thematik darzulegen. Er vermischte seine Meinung bzw. die seines Arbeitgebers mit der ursprünglichen Information und erfüllt damit die Definition der Propaganda.

Warum ist dieser Artikel Propaganda?

  1. Eine steigende oder hohe „Kauflust“ gibt es nicht bei allen Verbrauchern, sondern nur bei einer kleinen Minderheit. Wie die Realität der Armut, Einkommen und Kauflust aussieht, lesen Sie unter „Fakten zur Armut in Deutschland“.
  2. Da Unterbringungskosten und Betreuungskosten für Flüchtlinge/Zuwanderer ein Wirtschaftswachstum verursachen, müsste ein echter Journalist fragen, welche Qualität solch ein Wachstum hat. Was wird dabei wirtschaftlich aufgebaut? Nichts. In der Tat offenbart es den ganzen Unsinn des Wirtschaftswachstums, dass man nur möglichst hohe Kosten produzieren muss, um Wachstum zu generieren. Die Haltung von Herrn Kwasniewski zeigt, dass er entweder bewusst manipuliert oder dass er gar nicht weiß, was genau als Wirtschaftswachstum definiert wird. Siehe „Wir basteln uns ein Wirtschaftswachstum“ und Jonathan Rowe’s „Aufwärts ist Abwärts“.
  3. Einer kleinen Minderheit der Bundesbürger sitzt das Geld locker – den meisten jedoch nicht, siehe „Fakten zur Armut in Deutschland“.
  4. Der „historisch günstige Arbeitsmarkt“ ist die durchschaubarste Propaganda angesichts manipulierter Arbeitsmarktstatistiken, einem seit 1995 stagnierendem Lohnniveau und massenhaft prekären Beschäftigungsverhältnissen.
  5. Einen Immobilienboom gibt es nicht. Jedenfalls keinen Bauboom, den das Wort suggeriert. Es gibt einen Immobilienspekulationsboom durch Anleger, die nicht wissen, wohin mit ihrem überflüssigen Geld. Diese Spekulation ist keine gute Nachricht, sondern eine schlechte: Wer nicht erbt oder ein sehr hohes Einkommen hat, kann sich keinen Immobilienkauf mehr leisten. Die Zahl der Neubauten ist viel zu gering und findet fast ausschließlich im oberen Preissegment statt. Es gibt einen massiven Mangel an bezahlbarem Wohnraum, gerade für Familien, die mindestens 4 Zimmer benötigen. Das gibt es nichts zu jubeln.
  6. Dass der Staat mehr Geld einnimmt als ausgibt, ist nur dann eine gute Nachricht, wenn man kein Journalist oder informierter Bürger ist. Wenn man näher hin schaut, stellt man fest, dass der Staat massiv seine Ausgabenpflichten vernachlässigt, die Infrastruktur verfallen lässt, den öffentlichen Dienst unterbezahlt und die Substanz aufzehrt, weil Investitionen und Reparaturen unterbleiben.

6 x Propaganda in solch einem kurzen Artikel – das mussten wir einfach mit dem Froschkoch des Monats belohnen.

Gehirnwäsche plus Druck = Propaganda / Fake News

Was sind das bloß für Journalisten, die ihren Job so offensichtlich so schlecht machen? Wir wissen nicht, was Herrn Kwasniewski antreibt. Seine „Ausbildung“ bzw. Formung erhielt er an der Henri-Nannen-Journalistenschule. Die Henri-Nannen-Schule wird vom Gruner + Jahr – Verlag (Stern) und dem Verlag der ZEIT betrieben sowie vom SPIEGEL finanziert. Folglich vertritt diese „Schule“ die Interessen dieser Medien. Wer noch Zähne hatte, dem werden sie hier gezogen. Ein wirklicher Journalist wird man dort nicht. Kwasniewski arbeitete danach 2 Jahre lang bei der Financial Times Deutschland. Böse formuliert könnte man sagen: Das rundete die neoliberale Gehirnwäsche ab. Hinzu kommt der Druck von Chefredaktion und Herausgeber. Nun ist er ein Teil der „Lückenpresse“.

Fazit

Der Artikel zeigt anschaulich, wie die Massenmedien / Regierungssprecherpresse / Lückenpresse arbeitet. Als Leser ist man also gefordert, jeden Artikel dieser Medien – vor allem in den Bereichen Wirtschaft und Politik – kritisch zu prüfen.

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