Blogs: Wichtigste deutschsprachige Blogs 2018-04-13T18:42:33+00:00

Wichtigste Blogs 2018, deutschsprachig

Blogs als Alternativen zu den Massenmedien

Seite zuletzt aktualisiert: 13.04.2018

Es gibt zahlreiche Listen der wichtigsten Weblogs / Blogs in Deutschland. Die Reihenfolgen unterscheiden sich erheblich, u.a. weil sie anders definieren, was ein Blog ist.

Neben klassischen 1-Autoren-Blogs gibt es auch Plattformen, auf denen viele Autoren schreiben. Der gemeinsame Nenner ist die Art der Artikel: Keine Reproduktion neutraler Nachrichten gemäß den Grundregeln von Pressemitteilungen: Wer hat wann wo was wie und warum getan (mit Quellenangabe)? Sondern interessante Beiträge, wie man sie in den Massenmedien eher nicht findet – mit möglichst lesenswerten Begründungen. Der Trend geht in Richtung Video-Blog / Vlog.

Uns interessieren nur die wichtigsten Blogs aus Politik und Ökonomie (Volkswirtschaft, nicht Betriebswirtschaft). Lifestyle und Unterhaltung sind nett, aber irrelevant. Quantitative Daten (Facebook Shares, Beitragsquantität, Klicks, Retweets, Zahl eingehender Links etc.) sind nachrangig. Relevant für unsere Reihenfolge ist in erster Linie Ihr Einfluss durch Qualität.

Qualität kann man nicht messen, sondern nur subjektiv bewerten. Wir nehmen nicht für uns in Anspruch, objektiv zu sein, da Objektivität in diesem Bereich ohnehin unmöglich ist. Deshalb diskutiert unser 7-köpfiges Redaktionsteam sehr intensiv über die Reihenfolge. Im Unterschied zu anderen Blogcharts haben wir alle nachfolgenen Blogs gelesen, um uns eine möglichst fundierte Meinung zu bilden. Dadurch hat das Ranking eine andere Qualität als eine oberflächliche Reihenfolge nach Kennzahlen.

Die Massenmedien werfen Bloggern eine mangelhafte Objektivität und Ausgewogenheit vor. Und tatsächlich laufen Blogs grundsätzlich immer nach der Devise „Blogger XY und wie er/sie die Welt sieht“ – also nicht anders als die Massenmedien mit ihren Herausgebern und Angestellten.

Politische / ökonomische Blogger sind besonders wichtig, wenn sie eine Alternative zu regierungsnahen, manipulativen und „totschweigenden“ Medien wie WELT, FAZ, SZ & Co. bilden. Sogar der „Spiegel“ hat sich „selbst gleichgeschaltet„:

wichtigste blogs

 

Unsere Liste der wichtigsten Blogs aus Wirtschaft, Politik, Gesellschaft

Nachfolgend finden Sie die Liste mit unseren Charts der nach unserer Gewichtung einflussreichsten und wichtigsten politischen und ökonomischen Blogs im deutschsprachigen Raum, einschließlich Österreich und der Schweiz. Nicht alle davon gefallen uns.

Dies sind quasi die „Opinion Leader“ der APO (von denen die ersten 7 die Reichweite großer Tageszeitungen haben):

  1. Telepolis, 1996 gegründet von Florian Rötzer, ist eine Plattform unter dem Dach der Computerzeitschrift c’t. Inhaltlich eine der wichtigsten und lesenswertesten Websites der Welt. Mit weitem Abstand die größte Reichweite in dieser Liste (500.000 – 1 Mio. Klicks pro Tag). Der Unterschied von Telepolis zu klassischen Blogs liegt lediglich in der Zahl der Autoren, nicht in der Art der Beiträge. Interessant: Das Telepolis Selbstportrait zu „10 Jahre Telepolis“ von 2006.
  2. KenFM von und mit Ken Jebsen. Vlog / Video-Blog Nr. 1 im deutschsprachigen Raum, wahrscheinlich sogar in Europa. Mit sehr hoher Reichweite (Videos bis zu 450.000 und durchschnittlich 150.000 Klicks), hoher Zahl an Beiträgen, technisch top. Inhaltlich teils überragend, wie z.B. das sensationelle Interview mit Prof. Mausfeld. Landet nicht weiter vorn, weil er teilweise tote Pferde reitet, z.B. bei „Zinssystem“, „Geldsystem“, Aufruf zum Nichtwählen, etc. Dadurch verschenktes Potential. Läuft gern durch politische Minenfelder und hat deshalb unter allen Bloggern (auch aus Neid) die wahrscheinlich meisten Gegner. Bis auf eine vorübergehende Zusammenarbeit mit Jürgen Elsässer (von der er sich distanziert) fanden wir keine begründeten Kritikpunkte, auch wenn wir in einigen Punkten anderer Meinung sind (hat keinen Einfluss auf die Reihenfolge). Wer Ken Jebsen kritisch sieht, sollte unbedingt die Stellungnahme von Norbert Häring (Handelsblatt) lesen.
  3. Rubikon ist der Shootingstar des Jahres 2017. Gegründet und geleitet von Jens Wernicke, betrachtet es sich selbst als Magazin. Kann man so sehen. Rubikon ist aber ebenso wie Telepolis auch eine Blog-Plattform für viele Journalisten / Blogger und gehört daher in diese Liste. Hohe Reichweite, zum Großteil sehr lesenswerte Inhalte (Beispiel: Diana Johnstone erklärt unter „Von der Vielfalt zur Einfalt„, wie die Linken ihr Interesse an der breiten Masse der finanziellen Unter- und Mittelschicht verloren haben und sich in Themen verlieren, die keine Priorität für die Masse haben. Konsequenz ist die politische Bedeutungslosigkeit).
  4. Nachdenkseiten, gegründet u.a. von Albrecht Müller, umgesetzt vor allem von Jens Berger, hat nach Telepolis und KenFM die zweitstärkste Reichweite (rd. 140.000 Leser pro Tag). Noch im Aufbau befindet sich der YouTube-Kanal. Albrecht Müller stünde als durchschnittlicher Kommentator zu SPD-Themen ca. auf Platz 40-50 dieser Liste. Die Nachdenkseiten dümpelten vor sich hin, bis Müller eine geniale Idee hatte: Er holte sich Leute wie André Tautenhahn und Carsten Weikamp ins Boot, die mit den „Hinweisen des Tages“ eine Zusammenstellung relevanter Inhalte anderer Blogs, Nachrichtenseiten, Politiker, Parteien, Verbände etc. zusammenstellten. Die Hinweise des Tages wurden zu einer Anlaufstelle für alle, die linke Inhalte suchen und wenig Zeit haben. Eine weitere gute Idee hatte Müller, als er sich einen der etabliertesten deutschen Blogger ins Boot holte: Jens Berger vom „Spiegelfechter“. Ohne die Hinweise des Tages und Berger stünden die Nachdenkseiten weit hinten in dieser Liste.
    Dass die Nachdenkseiten umstritten sind, liegt in der Natur der Sache, aber vor allem an Alleinherrscher Albrecht Müller, der keine Meinung zulässt, die nicht zu seiner passt. Müller vergraulte u.a. Mitgründer Wolfgang Lieb. Zitat aus Wikipedia: „Lieb bemängelte, dass sich die NachDenkSeiten mit einem zunehmenden Anteil von Beiträgen seines Mitherausgebers Albrecht Müller nach und nach verändert und verengt hätten, sowohl thematisch als auch in der Methode der Kritik und der Art der Auseinandersetzung. Müller rufe nur mehr zum „‚Kampf‘ gegen ‚die Herrschenden‘ und ‚die Medien‘“ auf, anstatt zum Nachdenken.“ Unter “ Kritik unerwünscht“ erläutert der ebenfalls vergraulte Mitstreiter Paul Schreyer die Probleme mit Albrecht Müller. Jakob Augstein schrieb: „Müller folgt mehr seinen eigenen Vorurteilen als seriösem Erkenntnisinteresse. … es ist ihm ganz gleichgültig, was jemand denkt und schreibt, weil er sich nur für seine eigenen Ansichten interessiert.
    Auch unsere Redakteure sammelten ernüchternde Erfahrungen mit Müller. Als sie noch einer (nicht mehr existenten und völlig unbedeutenden) sozialliberalen Kleinpartei angehörten, ließ Müller 6 unserer Redakteure als lokale Ansprechpartner von „Nachdenkseiten-Gesprächskreisen“ löschen bzw. verhinderte, dass sie welche gründen durften. Parteiangehörige dürfen „seinen“ Gesprächskreisen nur angehören, wenn sie seiner Hassliebe SPD angehören.
    Müller verhindert mit seiner schlichten, auf die 60er-Jahre beschränkten ökonomischen Gedankenwelt auch die Thematisierung alternativer Wirtschaftssysteme und begrenzt die kurze Leine der Redakteure auf die Stellschrauben des heutigen Wirtschaftssystems. Da das Nachdenken über Alternativen von Müller verboten wurde, verschenken die Nachdenkseiten (wie so viele Blogs) den größten Teil ihres Potentials. Man kann sich auch zu Tode analysieren. Nun müssen endlich Lösungsvorschläge vorgestellt und diskutiert werden! Wir erwarten einen Sprung nach vorn und einen erheblichen Relevanzgewinn, sobald Albrecht Müller entweder seine Haltung überdenkt oder nicht mehr dabei ist.
  5. Cashkurs von und mit Dirk Müller. Außerhalb einer unbekannten Abonnentenzahl mit Blog / Website stark eingeschränkte Reichweite (nur 1 Artikel pro Woche frei zugängig). Auf Facebook und YouTube hingegen sehr hoher „APO-Faktor“ mit hoher Frequenz und 5-6-stelligen Klickzahlen pro Video. Stünde daher als reiner Blog weiter unten, aber als Vlog ist Cashkurs nach KenFM die Nr. 2 im deutschsprachigen Raum. Besonders lesenswert: Artikel und Videos von Helmut Reinhardt (Highlights: Daniele Ganser und economy4mankind-Sprecher Jörg Gastmann). Stünde ohne Paywall weiter oben, aber wir verstehen natürlich, dass die vielen Mitarbeiter finanziert werden müssen.
  6. Jung und Naiv von und mit Tilo Jung. Video-Blog mit der Spezialität, die Regierungssprecher in der Bundespressekonferenz mit höflichen und sachlichen Fragen wie Esel in der Manege vorzuführen. Merkels Sprecher Steffen Seibert kann einem fast schon leid tun, wenn er lügen muss: „Es hat nie massenhafte Überwachung gegeben„. Realsatire und politische Aufklärung der Extraklasse, bei der einem das Lachen im Hals stecken bleiben kann. Auf dem Weg nach oben.
  7. Armes Deutschland von und mit Rayk Anders. Hat als Vlog / also Video-Blog nicht einmal eine Website, sondern „nur“ einen YouTube-Kanal. Seine größtenteils brillanten, hochintelligenten Argumentationen entfalten als Video noch mehr Wirkung als geschriebene Texte. Reichweiten von durchschnittlich rd. 80.000 Klicks pro Video sprechen für sich. Rayk Anders bietet mit seinen Videos das beste Argument, auch reine Video-Blogs mit in diese Liste einzubeziehen. Unsere Nr. 1 der 1-Autoren-Vlogs.
  8. Neulandrebellen sind im Dezember 2016 aus der Fusion von Spiegelfechter (Jens Berger und Tom Wellbrock) und Ad Sinistram (Roberto J. De Lapuente) hervorgegangen. Querverbindung zu den Nachdenkseiten, bei denen Jens Berger als Hauptautor sehr viele Leser erreicht und damit auch recht großen Einfluss hat. Dazu trug u.a. der legendäre Chaos-Podcast um das bedingungslose Grundeinkomen bei, bei dem 2 Befürworter simpler Modelle aus der Diskussion flohen. Links und deshalb durchaus kritisch gegenüber Salon-Linken und zur Politik der Linkspartei. Durch die Bündelung der Kräfte auf dem Weg weiter nach oben.
  9. Aufwachen! …und Nachrichten gucken, der Video-Blog von Stefan Schulz und Tilo Jung (siehe oben: „Jung und Naiv“). Mittlere Reichweite, aber qualitativ unter den Top 4. Sehenswert, hörenswert (z.B. Ausgabe 137 – Apfelsteuer).
  10. misik.at, gegründet und betrieben von Robert Misik aus Österreich, hat nicht die Reichweite größerer Blogs, und veröffentlicht eher wenig und in unregelmäßigem Abständen. Dafür inhaltlich unsere Nr. 1 im deutschsprachigen Raum, mit genialen Artikeln wie „Verlorenes Paradies„. Folgt auch dem Trend zum Video-Blog / Vlog bei Österreichs größter Tageszeitung „Der Standard“ mit bemerkenswerten Beiträgen wie „Haben die Linken die Arbeiterklasse verraten?
  11. Nörbert Häring von und mit Handelsblatt-Redakteur Norbert Häring, ist für einen Angestellten einer neoliberalen Zeitung ganz erstaunlich anti-neoliberal. Sehr fachkundig und lesenswert nimmt er auch gern die Imkompetenz und Propaganda von Kollegen anderer Massenmedien auseinander, wie z.B. der Welt, die „noch niedrigere Löhne zugunsten der ohnehin zu hohen Exportüberschüsse propagiert„. Klasse ist auch, wie er die Finanzbranche erklärt und die EZB als Hauptschuldige der Euro- und Staatsschuldenkrise demaskiert. Ebenso löblich wie couragiert und fundiert, wie er mit „Die unwahrscheinliche Unperson Ken Jebsen“ ebendiesen gegen unbegründete Vorwürfe verteidigt. Für uns die Nr. 1 der deutschen 1-Autoren-Blogs.
  12. Tichys Einblick, von und mit Roland Tichy. Rechtskonservativer Blog (mit Printausgabe) eines Hardcore-Neoliberalen und Ex-Chefredakteurs, den offenbar nicht einmal neoliberale Zeitung mehr beschäftigen wollen, und der deshalb ein „um-Bezahlung-bettel-Geschäftsmodell“ mit seiner Website betreibt. Ökonomischer Geisterfahrer, der gescheiterte neoliberale Konzepte propagiert. APO-Einfluss ist trotz hoher Reichweite eher gering, da er lediglich gefestigte Meinungen seiner Zielgruppe bestätigt.
  13. Achse des Guten“ von Hernryk Broder und Dirk Maxeiner unterscheidet sich kaum von „Tichys Einblick“ und ist ähnlich rechtskonservativ, antislamistisch und martkradikal. Atomkraft-Propagandisten jenseits jeder Dummheitsgrenze. Reichweite relativ hoch, Einfluss wie bei Tichys Einblick eher auf die Stammklientel beschränkt. Sich selbst als „die Guten“ zu betrachten, zeigt von einer gestörten Eigenwahrnehmung. Sowohl die Herausgeber als auch Autoren wie Thilo Sarrazin oder Abmahnanwalt Joachim Steinhöfel sind nicht gerade Sympathieträger. Besonders unsympathisch finden wir Autor Gunnar Heinsohn. Heinsohn forderte in der FAZ vom 16.03.2010 , Hartz IV nach 5 Jahren komplett zu streichen. Dies sei seiner Meinung nach vor allem bei arbeitslosen Müttern notwendig, um die „Sozialhilfemütter“, Hartz IV-Kinder und „Niedrigleister“ im wahrsten Sinne des Wortes auszuhungern.
  14. Jasinna ist ein anonymer Vlog. Reichweiten von 800.000 Klicks für „Ein näherer Blick auf Wladimir Putin“ sind eine beeindruckende Hausnummer, ebenso fast 40.000 Abonnenten. Die neueren der bisher 60 Videos sind hochprofessionell produziert, psychologisch geschickt aufgebaut (was völlig legitim ist) und in ihrer Argumentation auf höchstem Spin-Doctor-Niveau. Die leicht verstellte „sexy Schlafzimmer“-Stimme der Sprecherin und ihr Fakefoto sind auf maximale Wirkung für eine vorwiegend männliche Zielgruppe getrimmt. Die durchwachsene Mischung von sehr berechtigter politischer und medialer Kritik bis hin zu esoterisch-seltsamen Themen wie „Illuminati und die heilige Chi-Lebenskraft“ machen eine Bewertung schwierig. Wäre weiter vorn auf der Liste, wenn die Jahresproduktion an Videos so hoch wäre wie zu Beginn.
  15. Makronom von Philipp Stachelsky ist zwar als offene Blogging-Plattform konzipiert, aber von Neoliberalen und Rechten bisher verschont geblieben. Neutrale bis linke Autoren ziehen ebensolche an. Hohe Reichweite bei Lesern, die sich ernsthaft für Volkswirtschaft und Politik interessieren und verständlich geschriebene Texte statt akademischem Elfenbeinturm-Geschwurbel wünschen.
  16. Sascha Lobo hat vor allem durch seine Spiegel-Kolumne eine enorme Reichweite. Seine Essays zu Netzpolitik und Demokratie sind zum Teil brillant, wie zum Beispiel „Marusha und Merkel“ oder „Bequemlichkeit schlägt alles, sogar deutsche Bedenken“ über die freiwillige Selbstverwanzung durch Sprachinterfaces. Teilweise aber auch schwach, wie zum Beispiel seine Verteidigung der „Lückenpresse“.
  17. Blickpunkt WiSo von Patrick Schreiner ist der Nachfolger seines Blogs annotazioni. Der Relaunch hat die Reichweite stark steigen lassen, was teilweise an den vielen Gastautoren liegt, die er ins Boot geholt hat, aber auch an der höheren Veröffentlichungsfrequenz. Die Artikel waren auch bei annotazioni lesenswert.
  18. Le Bohemien, von Sebastian Müller. Zu Unrecht von überdurchschnittlicher auf mittlere Reichweite gesunken, punktet mit sehr lesenswerten Beiträgen.
  19. QPress, von Wilfried Kahrs, Nr. 1 bei den höchst unvollständigen Topblogs. Hohe Reichweite, zum Großteil gute Qualität, im positiven Sinne „sehr böse“ geschrieben. Unsere Nr. 4 der 1-Autoren-Blogs.
  20. Querschüsse, ursprünglich von Stefan L. Eichner, der am 06.12.2017 verstarb. Weiter geführt von Steffen Bogs. Seine Wucht entfalteten die Querschüsse durch ihre betont nüchtern präsentierten statistischen Fakten, die einem die Schuhe ausziehen, und die die Massenmedien teils fahrlässig übersehen und teils vorsätzlich verschweigen. Leider sind die Querschüsse 2018 nur noch eine Liste massenhaft geposteter Kurzstatistiken aus aller Welt, von denen die meisten völlig uninteressant sind.
  21. Netzfrauen von Doro Schreier, die sich am 31.07.2017 für immer und alle Zeit und absolut endgültig in einem Facebook-Posting mit den Worten verabschiedete, sie und ihre Mitstreiterinnen würden mit Leib und Leben bedroht. Kosten für Rechtsstreitigkeiten / Abmahnungen trügen auch dazu bei. 3 Monate später ging sie mit ihrer Seite wieder online, als wäre nichts gewesen. Sehr reichweitenstark durch krawallige Klickbait-Artikel, die inhaltlich zwar meist unterstützenswert sind – aber immer und immer die gleichen Themen pushen und begrenzt interessant sind. Absteiger des Jahres 2017.
  22. Kritisches Netzwerk, von Helmut Schnug, mit zahlreichen interessanten Gastautoren. Mittlere Reichweite, Artikel von sehr hoher bis mäßiger Qualität.
  23. Mosaik aus Österreich. Schwerpunkte: Verteilungsfragen, Bewegungen, Antifaschismus, Wirtschaft. Mit schwachen bis sehr guten Artikeln im Bereich Politik und Ökonomie. Sehr zahlreiche Gastautoren, von denen die meisten allerdings nur 1 Beitrag schrieben. Mit Beiträgen zwischen geistig schlichter und lesenswerter Qualität.
  24. makroskop.eu von und mit Heiner Flassbeck (und mit Gastautoren) ist der Nachfolger von „Flassbeck Economics“. Im Bereich Ökonomie eigentlich die Nr. 1. Würde auf dieser Liste in den Top 5 stehen, wenn die Inhalte dauerhaft frei zugänglich wären. Durch die Paywall (114 € im Jahr) sind Reichweite und Einfluss gemessen an den Möglichkeiten relativ gering. Ist nach der Reaktivierung der Paywall am 05.01.2018 von Platz 5 auf die hinteren Ränge abgestürzt. So bleibt Makroskop bei einem überschaubarem Einfluss und verschenktem Potential. Ein Genuss sind Demontagen von etablierten Ökonomen, neoliberalen Theorien und Hypes wie aktuell z.B. der Bitcoin-Luftblase. Teilweise ziehen Gastautoren mit teilweise haarsträubenden Unsinn den Blog herunter. Höchst gelungen sind hingegen Artikel wie „Sättigungsgrenzen oder mangelnde Nachfrage?“ – der aber  wie die meisten anderen Artikel nur noch mit Abo lesbar ist. Aktuelle frei zugängliche aktuelle Empfehlung ist Jomo Kwame Sundaram mit „Vorsicht vor Öffentlich-Privaten Partnerschaften„.
  25. Abgeordnetenwatch von Boris Hekele und Gregor Hackmack. 1-Themen-Blog über Bundestagsabgeordnete. Wichtig, gut geschrieben, mittlere Reichweite.
  26. German Foreign Policy von Horst Teubert und Peer Heinelt fokussiert sich – wie der Name schon sagt – auf außenpolitische Themen. Gut recherchiert und wirklich lesenswert, wie zum Beispiel „Die begleitete Ratspräsidentschaft“ über die verheerende Situation in Bulgarien oder „Das Recht der Macht“ über den Missbrauch des Internationalen Strafgerichtshofs durch die Industrienationen, die damit Afrika ihren Interessen unterwerfen. Das ist wirklich guter Journalismus und muss sich hinter keiner großen Zeitung verstecken. Stünde erheblich weiter vorn, wenn nicht alle Artikel nach 14 Tagen hinter einer Paywall verschwinden würden (84 € im Jahr). Gute Arbeit kostet Geld, und der Preis ist bei rd. 20 guten Artikeln im Monat angemessen – aber es kostet doch enorm Reichweite.
  27. Augen auf und durch von Publizistik- und Politik-Professor Ulrich Teusch, der auch den Begriff „Lückenpresse“ (großartiges Video!) prägte, bloggt genau zu diesem Thema: Lügen, Lücken, Propaganda und Manipulation in Medien und Politik. Lesenswert sind z.B. „Toyota-Journalismus“ über die Farce bei Wahlen und „Machiavelli über Merkel“ über die ewige Gültigkeit von Machiavellis Analysen der Politik.
  28. Paukenschlag, von und mit Egon W. Kreutzer. Kommentare zum politischen Tagesgeschehen. Hat in vielen Jahren eine mittelgroße Fangemeinde aufgebaut. Stellvertretend für viele Blogger: Beschränkt sich auf Meinungen, ist an Lösungen nicht erkennbar interessiert.
  29. Über Medien von Boris Rosenkranz und „Bildblog“-Blogging-Urgestein Stefan Niggemeier betrachtet sich nicht als Blog (weil das etwas für Amateure sei – was arrogant wirkt und Sympathiepunkte kostet), ist aber doch einer. Befassen sich nach eigener Aussage nicht mit Politik und Wirtschaft – tun es aber doch, indem sie die Medien anhand politischer Themen kritisieren. Beispiele: Diskussion über deutsche Atombombe, Medienpropaganda pro und contra Kanzlerkandidat Schulz oder „Die Mär, wie Portugal und Spanien vom „guten Weg“ abkamen„. Empfehlenswert, professionell geschrieben. Reichweite: hoch bei frei zugänglichen Artikeln, niedrig bei Paywall-Artikeln.
  30. economy4mankind von Jörg Gastmann, Roland Kahl und Peter Wittfeld, mit Gastautoren. Relevant vor allem durch das alternative Wirtschaftssystem, auf das einige Blog-Artikel als Lösung verweisen. Lesenswerte Artikel wie z.B. „Stellenangebote sind keine offenen Stellen„, „Transfer von Arm nach Reich – so funktioniert es“ oder „Deutschlands Medien der Milliardäre„. Meistgeteilte Artikel bei Facebook in den letzten Monaten: „Warum gibt die EU Amazon & Co. Zugriff auf Ihr Bankkonto?“ und „Aus diesen 6 Gründen werden die Vereinigten Staaten von Europa nicht kommen„. Im September 2016 gestartet, mittlere Reichweite (rd. 500.000 Klicks / Jahr).
  31. Propagandaschau von größtenteils anonymen Autoren – wie die ebenfalls anonymen Autoren von Psiram bemängeln. Schwerpunktthema Medienkritik mit zutreffender, knallharter Aufdeckung von – ja, die Definition ist erfüllt – Propaganda „seriöser“ Medien wie z.B. Claus Kleber vom heute journal, der WikiLeaks angreift, weil die NSA wegen der globalen Überwachung aller Bürger „angeprangert“ würde. Schadet sich etwas mit zu unkritischer Position gegenüber Russland. Wichtig, größtenteils gut geschrieben, mittlere Reichweite.
  32. netzpolitik.org, von Markus Beckedahl. Hat sich um das Thema Überwachungsstaat verdient gemacht. Von wenigen Ausnahmen abgesehen sind die Themen leider meist nicht besonders interessant. Durch den Skandal um Verfassungsschutz und Generalbundesanwalt ist die Reichweite vorübergehend explodiert. Mittlerweile ist es eher wieder ruhig um diesen Blog geworden, auch wenn das Thema NetzDG der Website ein Zwischenhoch beschert hat. Wichtig, aber leider interessieren sich die meisten Menschen nicht für das Thema.
  33. Feynsinn von Stephan Erdmann. Ein „Urgestein“ der Blogging-Szene mit einer Fangemeinde, bloggt seit 2006. Teils ist der Blog klar politisch, teils lyrisch-emotionale Philosophie, basierend auf kommentierten Beobachtungen, wo sonst kaum jemand hinschaut. Kategorien wie „Kapital“ sind für unsere Liste relevant und meist lesenswert, Kategorien wie „Kunst, Lyrik, Klamauk“ sind hingegen eher Entertainment und Philosophie. Lesenswert sind Beiträge wie „Politische Bildung und das Objekt der Revolution„, in denen Erdmann anmerkt: „Betest du die Tagesschau nach, giltst du bei den Meisten als seriös; widersprichst du den offiziellen Verlautbarungen, setzen sie dir einen Aluhut auf. … Ich habe in meinem Studium einmal eine Studie aus den 70ern zitiert, die zu dem Schluss kam, dass Zuschauer der Tagesschau „sich informiert fühlen“, aber schon kurz nach der Ausstrahlung nicht mehr wissen, was sie da gehört haben.“ Sehr schön.
  34. MMnews, von und mit Michael Mross. Hohe Reichweite in der Truther-Szene. Ehemaliger Börsen-TV-Moderator. Typische Fans sind „BRD-GmbH“-Besessene, Goldanhänger, Spekulations-Junkies und libertäre Irre wie „Eigentümlich frei“. Mit „Lari Fari Mogelzahn“ Andreas Popp als leitendem Redakteur für Finanzen ist die Seriosität vollends dahin.
  35. Oxi Blog, von Wolfgang Storz, Ex-Chefredakteur der Frankfurter Rundschau. Mit Gastautoren. Reichweite relativ gering, lesenswert, klar anti-neoliberal.
  36. fisch und fleisch, von Silvia Jelincic. Blogging-Plattform und Social Media in einem, besteht praktisch nur aus Gastautoren. Relativ hohe Reichweite, qualitativ eher ein Stammtisch für Senfdazugeber, die lediglich ihre Meinung kundtun, ohne Interessantes zu schreiben. Das Konzept, dass jeder zu allem unzensiert seinen mal mehr und mal weniger durchdachten Senf geben darf, sorgt natürlich für heftige Ablehnung bei denen, die anderer Meinung sind. Lobenswert: Die Herausgeberin postet Gegenreden direkt unter unliebsamen Artikeln.
  37. konjunktion.info, von Michael Lehner. Artikel von mittlerer bis geringer Qualität. Zu viele Verschwörungstheorien, Neue Weltordnung, etc. Dennoch – oder gerade deshalb: relativ hohe Reichweite
  38. annotazioni, von Patrick Schreiber, mit Gastautoren. Relativ geringe Reichweite, aber lesenswert.
  39. Geolitico, gegründet von Ex-Bild- und Welt-Redakteur Günther Lachmann. Rechtskonservativ und AfD-nah. Verbündet mit dem neoliberalen Deutschen Arbeitgeberverband (Slogan: „Markt und Freiheit“). Artikel von größtenteils mäßiger Qualität, relativ hohe Zugriffszahlen.
  40. Rationalgalerie von und mit Ulrich Gellermann. Auch hier wiegen meist gute Inhalte die geringe Reichweite auf. Bemerkenswert sind die hohe Quantität und Qualität von Herr Gellermanns Antworten auf Kommentare.
  41. Carta, von sozialliberalen Journalisten und Akademikern. Mittlere Reichweite, Artikelqualität zwischen langweilig und bemerkenswert.
  42. Bildblog, gegründet von Stefan Niggemeier, seit 2014 herausgegeben von Mats Schönauer. Ursprünglicher Schwerpunkt waren Gegendarstellungen zur unsäglichen Bildzeitung, die immer weiter in die Irrelevanz versinkt. Hat daher sein Spektrum erweitert, Meldungen anderer Medien mit kurzen Einleitungen zu verlinken. Ähnelt damit der Rublik „Hinweise des Tages“ der Nachdenkseiten (siehe oben). Ist eher eine Mischung aus News-Bibliothekar und Wiederkäuer. Steht nicht weiter oben, weil trotz hoher Klickzahlen die Eigenleistung zu gering ist.
  43. Bankhaus Rott & Frank Meyer, von Frank Meyer, mit oft guten Artikeln im Bereich Politik und Ökonomie. Gastautoren mit teils extrem schlechter Qualität sowie Spekulationsempfehlungen ziehen den Blog herunter.
  44. FinWir, der Finanz- und Wirtschaftsblog von Alexander Guth. Meist sehr lesenswert, wie zum Beispiel „Das Märchen vom deutschen Fachkräftemangel“ oder „Wer wird im Deutschen Bundestag wirklich repräsentiert?„.  Neueinsteiger in die Top 40  2017. Noch geringe Reichweite, wird aber seinen Weg weiter nach oben machen.
  45. Infokrieger von und mit Jens Blecker. Bis Oktober 2017 Hohe Reichweite, inhaltlich zwischen hoher und eher geringer Qualität (Verschwörungstheorien, Spekulationsempfehlungen). Stellt sich aber gelegentlich auch den Erwartungen seiner Leser entgegen und widerlegt die unsägliche Verschwörungstheorie über Chemtrails. Hat seit Ende Oktober 2017 nur 2 Artikel veröffentlicht.
  46. neopresse, von Stefan Hofbauer aus Österreich, mit vielen Gastautoren. Mittlere Reichweite, Artikel von meist geringer Qualität und schwacher Argumentation ziehen die Wirkung nach unten. Die besseren Artikel sind keine eigenen Werke, sondern Übersetzungen aus anderen Quellen (z.B. voltairenet).
  47. Schlüsselkindblog, von Gaby Kraal aus Manhattan, mit Gastautoren. Inhaltlich konservativ mit Fokus Islamisierungskritik, ordnet sich selbst als politisch inkorrekt ein. Verliert viel Wirkung durch Thesen wie „Alle Zentralbanken gehören den Rothschilds„. Schwachpunkt: Keine eigene Domain und keine nachprüfbaren Seitenbetreiber. Reichweite ist schwierig einzuschätzen. Die Autorin nannte uns für das erste Halbjahr 2017 rd. 400 Artikel, 100.000 Klicks und 20.000 Facebook Shares. Was umgerechnet bedeutet: Durchschnittlich 250 Klicks und 50 Facebook-Shares pro Artikel (haben wir dort noch nicht entdeckt, was aber wahrscheinlich daran liegt, dass wir eher selten rechtskonservative Gruppen besuchen), und eine für eine Bloggingplattform mittlere Fanbasis. Hat die gleiche Zielgruppe wie Tichys Einblick, ist dabei aber emotionaler und angriffslustiger.
  48. Ruhrbarone, von nebenberuflichen Journalisten als Gegengewicht zu den Massenmedien ins Leben gerufen. Schießen gegen CDU, SPD und Linke. Gründer Nückel kandidierte für die FDP, Gründer Schraven lief zum Gegner WAZ über, um durch konservative Propaganda „Rot-Rot-Grün zu verhindern„. Artikel teils ok, teils unterirdische neoliberale Propaganda wie die Leugnung der Massen-Altersarmut. Relativ hohe Reichweite, gemessen daran geringer Einfluss.
  49. psiram.com, ehemals esowatch, von anonymen Heckenschützen, die durch ein Registrierungsgeflecht über Panama und Hong Kong nicht einmal über „whois“ identifizierbar sind. Aus geheimen Quellen finanziert. Steckt alles gern schnell in Schubladen und greift dazu auf völlig irrelevante Kriterien zurück, wie zum Beispiel bei der Bewertung der Netzfrauen, bei der sie die durch „Google AdSense“ gepostete Werbung als Beweis für Unglaubwürdigkeit verdrehen. (Erläuterung: AdSense analysiert den Inhalt einer Website und versucht, passende Werbung einzublenden. Dabei scheitert Google häufig. Wer – wie die Netzfrauen – Milka kritisiert… bekommt von Adsense Milka Werbung eingeblendet. Wer die Kirche kritisiert, hat die Kirche als Thema – und bekommt Werbung für die Kirche eingeblendet. Wer Glyphosat kritisiert, bekommt Werbung für Glyphosat eingeblendet.)
    Sind stolz darauf, der Pharmaindustrie, Monsanto & Co. nahe zu stehen. Radikale Befürworter der Genmanipulation von Nahrungsmitteln und Saatgut, wodurch sie ihren Anspruch 100%iger Weisheit und Objektivität zunichte machen (mal abgesehen davon, dass es die ultimative Selbstüberschätzung ist, den Eingriff in das hyperkomplexe Wirkungsgefüge der Natur vorhersehen zu können: Es ist noch kein einziger Mensch an einem globalen Mangel an Nahrung gestorben, sondern immer nur durch den Mangel an Geld, um sich Nahrung zu kaufen). Lesenswert ist das allerdings das Wiki über Verschwörungstheorien, Esoterik, Scharlatane, etc. Relativ hohe Reichweite, Relevanz tendiert gegen Null.
  50. Dailytalk.ch von Alexander Müller. Geringe Reichweite, Qualität ok, Fokus auf Schweizer Themen.
  51. Maskenfall von Jascha Jaworski. Auch hier wiegen meist gute Inhalte die geringe Reichweite auf.
  52. blog.arbeit-wirtschaft.at vom Österreichischen Gewerkschaftsbund ÖGB, richtet sich „an Menschen, die an Perspektiven für eine Gestaltung von Arbeit und Wirtschaft im Interesse der arbeitenden Menschen interessiert sind. Dazu setzen wir Diskussionsimpulse und liefern aktuelle Analysen an der Schnittstelle zwischen Politik, Wissenschaft, Vertretung der arbeitenden Menschen und interessierter Öffentlichkeit.“ Mit lesenswerten Artikeln wie z.B. „Gezielte Umverteilung stärkt die gesamtwirtschaftliche Nachfrage„. Eher – aber nicht nur – auf Österreich fokussiert. Weitaus besser als die deutschen Kollegen vom DGB. Hat von der Reichweite her noch erhebliches Potential nach oben.
  53. O-Ton Arbeitsmarkt vom Institut für Sozialpolitik und Arbeitsmarktforschung (ISAM) der Hochschule Koblenz, unter der Leitung von Prof. Stefan Sell, der auch als Gastautor bei anderen Blogs durch lesenswerte Beiträge auffällt. Kooperation mit dem Evangelischen Fachverbands für Arbeit und Soziale Integration e.V. (EFAS) und der Bundesarbeitsgemeinschaft Arbeit e.V. Eigener Anspruch: Will eine Alternative zur offiziellen Arbeitsmarktberichterstattung liefern. Diesen Anspruch erfüllt der Blog mit seinen Schwerpunken Hartz IV und Arbeitslosenstatistiken. Beispiel: „Was die offizielle Arbeitslosenzahl verschweigt: 3,7 Millionen Menschen ohne Arbeit„. Macht allerdings den Fehler, lediglich amtliche Statistiken auseinander zu nehmen, statt sich zu fragen: „Wie hoch wäre die Arbeitslosenzahl, wenn man von den Erwerbsfähigen die Erwerbstätigen abzieht, und davon auch noch diejenigen, die in Minijobs und zum nicht existenzsichernden Niedriglohn arbeiten?“ Inhaltlich sehr sachlich, relativ geringe Reichweite.
  54. Montagsblock von Soziologie-Professor Armin Nassehi und Herausgeber Peter Felixberger ist ebenso wie „O-Ton Arbeitsmarkt“ ein Insidertipp. Hat bei einem höheren Bekanntheitsgrad deutliches Potential nach oben auf dieser Liste. Eingebunden in den Murmann Verlag und dessen „Kursbuch“ mit Wurzeln aus den 60er-Jahren. Peter Felixberger stellt im Montagsblock 44 die ungemein wichtige Frage „Wo ist eigentlich die Revolte geblieben? Irgendwo und irgendwann ist sie wohl abgebogen vom Highway to Paradise. Von Revitalisierung oder Reaktivierung fehlt heute jede Spur. Wo finden notwendige Einmischungen und größere Perspektiven überhaupt noch statt? Braucht eine moderne, völlig ausdifferenzierte Gesellschaft nicht auch eine linke, sozialistische Utopie, an der wir uns abarbeiten und reiben müssen?“ (Anmerkung der Redaktion: Eine solche linke, aber nicht im traditionellen, sondern modernen Sinne sozialistische Utopie wäre zum Beispiel hier zu finden – was fehlt, ist Bekanntheit und eine Diskussion in der breiten Öffentlichkeit).
    Prof. Nassehi unternimmt u.a. in Montagsblock 45 einen Vermittlungsversuch im Minenfeld der Zuwanderungsdiskussion. Er fordert einen „Neustart der Debatte um Immigration und Integration – und das mit dem Ziel einer berechenbaren, mit Ressourcen und politischen Zielen ausgestatteten Migrationspolitik“ und auch „denjenigen den Wind aus den Segeln zu nehmen, die mit weltfremden und naiven Vorstellungen jeglichen Diskurs über Zahlen, darüber, wer einen Aufenthaltsstatus erhalten kann und wer nicht, … als Ausdruck eines moralischen Untergangs des Westens beklagen.“
    Ein sehenswertes Interview mit Professor Nassehi über Soziologie und Gesellschaft finden Sie übrigens auf BR alpha.
  55. flegel-g.de von Blogging-Veteran Gert Flegelskamp ist nicht nur inhaltlich überdurchschnittlich, sondern  – durch eine in vielen Jahren aufgebaute Stamm-Leserschaft – auch bei der Reichweite. Hauptthemen Regierungsparteien, Agenda 2010 und Rente. Mit dem steinzeitlichen html-Editor „Phase 5“ ais dem Jahr 1996 geschrieben, sieht die Benutzeroberfläche auch wie 1996 aus. Nach „fefes Blog“ der häßlichste Blog in dieser Liste. Nicht nur das Schreiben über die volle Bildschirmbreite verursacht Kopfschmerzen. Bitte, Herr Flegelskamp, schauen Sie sich dieses oder dieses WordPress Tutorial an und erreichen Sie mehr Leser.
  56. Alles Schall und Rauch von Manfred Petritsch aka Freeman aus Luzern, mit russischer Mailadresse, anonym auf Blogspot, im Web aber bekannt durch seine Fehde mit Polit-Irrlicht Christoph Hörstel von der Deutschen Mitte / Neuen Mitte. Im deutschsprachigen Raum der Blog schlechthin für Anhänger von Verschwörungstheorien. Einerseits: Zu glauben, es gebe weltweit keine Verschwörungen, ist vollkommen naiv. Andererseits: Was hier veröffentlicht wird, ist… nun ja… zielgruppenorientiert. Hat eine ca. 4-stellige Fangemeinde, aber gesellschaftlich eine vor allem auf die Fans begrenzte Relevanz.
  57. verteilungsfrage.org von Julian Bank, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Fakultät für Sozialökonomie der Uni Duisburg-Essen. Wichtiges Thema, inhaltlich gut, bisher noch mit geringer Reichweite, was vor allem daran liegt, dass nur rd. 1 x im Monat ein neuer Artikel erscheint. Hat Potential für höhere Plätze auf dieser Liste. Zitat aus der „Über uns-Seite“: „Das Blog trägt Informationen und Positionen rund um das Thema Ungleichheit aus einer wirtschafts- und politikwissenschaftlichen Perspektive zusammen. Sein Fokus liegt auf der Ungleichheit von Einkommen und Vermögen, sowie auf dem Zusammenhang zwischen ökonomischer und politischer Ungleichheit. Regelmäßig wird über Forschungsbeiträge berichtet. Außerdem werden Nachrichten aus ungleichheitsökonomischer Perspektive kommentiert und Hinweise auf interessante Artikel veröffentlicht.“
  58. Krautreporter ist eine Plattform freier Journalisten. Mit wirklich bemerkenswerten politischen Reportagen wie z.B. „Ich wollte die großen politischen Utopien finden. In einem Zeltlager mit 2500 jungen Sozialisten. Am Ende stand ich betrunken in einer Höhle im Wald“ oder „Super ausgebildet, super frustiert„. Ist trotz teils sehr guter Qualität der Absteiger des Jahres, weil er seit 2017 aufgrund finanzieller Probleme den Inhalt zunehmend hinter einer Paywall verschwinden lässt und nicht mehr frei zugänglich ist. So verständlich es ist, nach Wegen zu suchen, von unabhängigem Journalismus leben zu können: Reichweite und Bedeutung werden erfahrungsgemäß – wie bei allen Paywalls – weiter abstürzen. Wäre ohne Paywall in dieser Liste erheblich weiter vorn.
  59. Radio Utopie von Daniel Neun. Plattform für Gastblogger. Mittlere Reichweite, Qualität durchwachsen.
  60. altonabloggt von und mit „Hartz 4 Rebellin“ Inge Hannemann. Wurde berühmt, als sie sich als Arbeitsvermittlerin eines Jobcenters weigerte, Sanktionen zu verhängen, und sich als erste Mitarbeiterin eines deutschen Jobcenters öffentlich kritisch gegen die Arbeitsmarktpolitik der Agenda 2010 äußerte. Inge Hannemann ist die wahrscheinlich kompetenteste Hartz IV Spezialistin in Deutschland. Daher befasst sich auch ihr Blog vorwiegend mit diesem Thema. Bisher noch geringe Reichweite, aber lesenswert für alle, die sich für Hartz IV / ALG 2 interessieren.
  61. Noch ein Parteibuch, vermutlich (aber nicht sicher) von Marcel Bartels, als anonymes Nachfolgeprojekt von mein-parteibuch.com. Seine Erklärung vom 28.01.2007 auf mein-parteibuch.com erklärt nicht nur Motiv und Thema seines Blogs, sondern steht stellvertretend für viele, die anonym ohne Impressumspflicht unter dem Schutz von Bloggingplattformen wie WordPress oder blogspot / blogger.com schreiben: „… habe ich Franz Müntefering beim Wort genommen, bin in die SPD eingetreten und habe mich unter meinem eigenen Namen in die politische Diskussion eingebracht. Inzwischen erscheinen mir die Worte von Franz Müntefering, mit denen er mich bewogen hat, in die SPD einzutreten und mich für die Wiederwahl von Gerhard Schröder öffentlich zu engagieren, ebenso als Heuchelei wie mir die Deckelung der Abmahnkosten … Durch die Erfahrungen mit meiner Webseite bin ich inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass öffentliches Engagement von deutschen Politikern nur solange erwünscht ist, wie Duckmäuser den in den von ihnen kontrollierten Massenmedien verbreiteten Unfug nachplappern. … Nachdem ich in den letzten Tagen mit vier Abmahnungen belästigt worden bin und vom Landgericht Hamburg meine Verpflichtung zur Zahlung von mehr als 500 Euro “Anwaltskosten” für eine einstweilige Verfügung, die mir untersagt, ein Anwaltsschreiben zu veröffentlichen, bestätigt wurde, beabsichtige ich nun, keine neuen kritischen Beiträge auf meiner Webseite Mein-Parteibuch.de mehr zu veröffentlichen.“
    Die Beiträge haben den Fokus auf der Situation in Nahost, wie zum Beispiel Versuche, die Situation im Iran darzustellen (sehr verwirrend). Eine USA-kritische und eine Israel-kritische Seite haben einen eigenen Hauptmenüpunkt, unterstützt von US-kritischen Blogartikeln. (wir wollen das nicht bewerten – es geht nur um die thematische Einordnung und Grundhaltung des Blogs). Derzeit ist dem Blog die Berichterstattung über militärische Meldungen aus Syrien besonders wichtig – was für den deutschsprachigen Raum nur begrenzt relevant ist.
  62. Beigewum aus Österreich ist die Abkürzung für „Beirat für gesellschafts-, wirtschafts- und umweltpolitische Alternativen“ hat tolle Ziele, ist aber inhaltlich eher dröge. Hat eine eher geringe Reichweite. Könnte mit besseren Artikeln mehr erreichen.
  63. Gegenblende vom DGB (Deutscher Gewerkschaftsbund) hat eine mittlere Reichweite, ist aber inhaltlich eher schwach, da hier meist lediglich Gewerkschaftsfunktionäre Forderungen in den Raum stellen, ohne über eine Umsetzbarkeit nachzudenken, „Aha-Erlebnisse“ oder Neues zu bieten. Ansonsten so lesenswert wie der Newsbereich eines mittelständischen Flanschmuffenherstellers. Schade.
  64. Fefes Blog, von Felix von Leitner. Die erstaunlich hohe Reichweite bei alexa.com erklärt sich wahrscheinlich dadurch, dass eher Nerds mit Alexa-Toolbar zu den Besuchern gehören. Provoziert mit der absichtlich (!) wahrscheinlich weltweit schlechtesten Benutzeroberfläche aller Webseiten. Inhaltlich zwischen mittlerer und sehr bedenklicher Qualität.
  65. Voltairenet von und mit Thierry Meyssan ist ein 18-sprachiges „Pressenetzwerk“ mit französisch-spanischem Schwerpunkt und einigen deutschsprachigen Artikeln. Nicht lesenswert, da an Fehlanalysen schwer zu überbieten, zum Beispiel mit „Jared Kushner bringt den Mittleren Osten wieder in Ordnung“ sowie Lobpreisungen für Donald Trump und Vladimir Putin. Nur aufgrund mittlerer Reichweite (in D nach eigenen Angaben ca. 680.000 Klicks im Jahr) auf dieser Liste.
  66. Correct!v ist der Absteiger des Jahres 2017. Sollte ein Gegenprojekt zu den Mainstream-Medien sein. Widerspruch in sich: Wird vom Gründer eines Mainstream-Mediums (Brost-Stiftung, Gründer der größten regionalen Zeitungsgruppe WAZ) finanziert. Im Aufsichtsrat sitzen prominente Vertreter der Mainstream-Medien (u.a. Focus-Chefredakteur). Teils wie Wikileaks mit Quelldokumenten und Datenbanken. Ruiniert allerdings seit Januar 2017 seinen Ruf und verrät seine Ideale, weil Correctiv im Auftrag von Facebook „Wahrheitsministerium“ spielt und kritische Meinungen zensiert, wobei die „Leitmedien / Regierungssprecher“ nicht dieser Zensur und „Prüfung“ unterzogen werden. Der Auftrag zur Facebook-Überwachung ging nach hinten los: Nun schauten viele genauer hin, wie z.B. die Nachdenkseiten oder Videos von KenFM und TheFalseFlag.com zeigen: Sehr geringe Reichweite, schlechter Journalismus, erfundene Stories, Propaganda für die etablierten Parteien.
  67. Sprengsatz von Michael Spreng ist ungefähr so wichtig und interessant, wie Angela Merkel beim Gähnen zuzuschauen. Verwurstet seine Zeitungskolumnen in diesem Blog. Als Vertreter des Establishments verteidigt er den Erhalt des politischem Systems, Wirtschaftssystems, der Vermögens- und Einkommensverteilung und vor allem der Machtverhältnisse. Ist also im Unterschied zu den meisten anderen Blogs das Gegenteil einer Opposition. Hat noch nie über den neoliberalen Upper-Classe-Tellerrand geschaut und verpufft daher wirkungslos. Absurde Analysen wie z.B. „GroKo – Eine Chance für die SPD“ (hätte man 2013 schon nicht schreiben können, aber im Dezember 2017 ist eine solche Einschätzung ein Witz).

Weblogs wie publikative.org, dasdossier.de, meinpolitikblog.de, politik-im-spiegel.de, buergerstimme.com, mutantenstadl.de, kinderwarte.de, chefarztfrau.de, groenaz.de, unserebewegung.de, pimmelriot.wordpress.com alias „SenileArmeeFraktion“, „Kehraus“, Elmar Benninghaus von antiferengi.de, „Von unten betrachtet“, Jacob Jung Blog und Uhupardo haben aufgegeben bzw. publizieren nichts mehr. Gaertner’s Blog / „Die Weltwirtschaft vom Pazifik aus“ hat 2010 die Arbeit eingestellt. Meist nur mit Senf zur Wall Street, gelegentlich aber lesenswert wie z.B. „1,1 Milliarden Arbeitslose in den 10 bevölkerungsreichsten Ländern„. Egghats Blog von Dieter Meyeer veröffentlicht seit November 2017 nichts mehr. Sehr lesenswert: „Der durchschnittliche Steuersatz der 400 reichsten Amerikaner ist… 18%„.

Der bedauerlichste Verlust der letzten Jahre ist „Wirtschaft und Gesellschaft“ mit wirklich lesenswerten Analysen von Thorsten Hild, der hier im Juli 2017 erklärte, warum er aufhörte zu bloggen.

notatio.blogspot.de alias Roger Beathacker sowie Jochen Hoff von Duckhome (sensationell: Seine Wehrhaftigkeit und sein Rückgrat bei „Post vom Jobcenter Nienburg„) sind leider verstorben. Ebenso Stefan L. Eichner (06.12.2017), Betreiber von stefanleichnersblog.blogspot.de.

Außer Konkurrenz laufen die Blogs von Parteien. Besonders gut gefällt uns der Blog der Sozialdemokratischen Partei Österreichs SPÖ (den Blog finden wir viel besser als die Partei – die Blogger sollten den Parteivorstand übernehmen), mit Artikeln wie „Warum das reichste Prozent weniger Steuern zahlt als Du„, „Von Gesundheit bis Freundschaft – Wie finanzielle Ungleichheit unser aller Glück zerstört“ und „Diese 12 Firmen sind die größten Steuertrickser in der EU„.

Ihre Vorschläge: Wer fehlt?

Wer fehlt Ihrer Meinung nach auf dieser Liste? Senden Sie uns Ihre Vorschläge (am besten mit einem Link auf einen möglichst guten Artikel) an redaktion@bandbreitenmodell.de. Vielen Dank für die bisherigen Einsendungen!

Auf der Warteliste: Die nächsten Zugänge

Wir analysieren und sortieren derzeit

  • http://www.journalistenwatch.com/
  • https://perspective-daily.de/
  • https://rent-grabbing.com/
  • https://www.nachrichtenspiegel.de/category/politik/inland/
  • http://justicenow.de/
  • http://germanwatch.org/zeitung/2005-4-ziegler.htm
  • http://www.doktorpeng.de/vergesst-endlich-das-wirtschaftswachstum-es-ist-zeit-fuer-echte-alternativen/
  • http://www.zeitgeistlos.de/zgblog/
  • http://www.taublog.de/ueber-das-blog
  • https://tuxproject.de/blog/
  • https://www.burks.de/burksblog/
  • http://schrottpresse.org/
  • http://hinter-der-fichte.blogspot.de/
  • http://hinter-den-schlagzeilen.de/ueber-uns/
  • http://jbi.or.at/
  • http://www.trueten.de/
  • http://spiegelkabinett-blog.blogspot.de/
  • https://fassadenkratzer.wordpress.com
  • http://www.free21.org/
  • http://unterstroemt.de/
  • https://gabrielewolff.wordpress.com/
  • https://www.foodwatch.org/de/startseite/
  • http://www.wiesaussieht.de/
  • http://dudentity.blogspot.de/
  • http://fliegende-bretter.blogspot.de/
  • https://allesnursatire.wordpress.com/
  • https://mothersdirt.wordpress.com/
  • https://philosophia-perennis.com
  • http://www.danisch.de
  • https://www.michael-klonovsky.de/acta-diurna
  • http://derwaechter.net
  • https://annaschublog.com
  • http://www.claudia-klinger.de/digidiary/
  • https://einarschlereth.blogspot.de/
  • https://weltnetz.tv/
  • http://www.antikrieg.tv/

Bitte teilen

Wir würden uns freuen, wenn Sie den Link auf diese Seite in Ihrem Freundes- und Bekanntenkreis sowie in sozialen Netzwerken wie Facebook und Twitter teilen. Vielen Dank!