Digitalisierung: Mehr Belastung statt Entlastung der Arbeitnehmer

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Beim Siegeszug von Computern und Software schien es logisch, dass Arbeiten entspannter wird. Tatsächlich ist das Gegenteil eingetreten.

Wie eine repräsentative Beschäftigtenbefragung zum „DGB-Index Gute Arbeit 2016“ ergab, steigt mit der Digitalisierung die Arbeitsbelastung. Unter 6.314 Arbeitnehmern, die in hohem Maß digitalisiert arbeiten, gaben gegenüber dem DGB 46 % an, dass ihre Arbeitsbelastung dadurch größer geworden ist. Lediglich 9% fühlte sich durch die Digitalisierung entlastet.

„In der Debatte um Arbeiten 4.0 wird meist der Eindruck erweckt, als wären die Chancen und Risiken der Digitalisierung der Arbeitswelt gleich verteilt“, sagt DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach der Deutschen Presse-Agentur. „Die aktuelle Befragung zeigt allerdings, dass digitales Arbeiten bislang für fast die Hälfte der Beschäftigten dazu führt, dass die Belastungen steigen.“ Dies sei „eine Folge der Entgrenzung und Verlängerung der Arbeitszeiten, der permanenten Erreichbarkeit und der Arbeitsverdichtung“. Laut einer Umfrage des Bundesarbeitsministeriums vom Januar beklagen sogar zwei Drittel der Beschäftigten eine Intensivierung der Arbeit durch technologische Neuerungen.

Wenn der Segen zum Fluch wird: Wer profitiert?

Digitalisierung 4.0 LeistungsdruckComputer und Software ermöglichen Arbeitgebern nicht nur immer schnellere und effizientere Prozesse, die Arbeitsplätze wegrationalisieren. Die (bisher noch) übrig bleibenden Arbeitnehmer müssen in höherem Tempo arbeiten, um dem steigenden Takt der Maschinen zu folgen. Chaplins „Moderne Zeiten“ sind aktueller denn je.

Big Data ermöglicht mit seiner Datenflut auch eine immer engmaschigere Kontrolle: Nicht nur Emails und Telefonverbindungen werden gespeichert. Wer arbeitet wie lange woran? Von den Sekunden einer Auftragserfassung bis hin zu Tastaturanschlägen wird alles aufgezeichnet. Zahlreiche Unternehmen gehen so weit, gegenüber ihren Arbeitnehmern dezent durchblicken zu lassen, dass alles, was aufgezeichnet wird, ein Kündigungsgrund sein kann. Wer im Takt der Galeere nicht mitkommt, oder wer zu viele Fehler macht, fliegt raus. Und der Takt steigt immer weiter.

Es profitieren also vor allem die Unternehmenseigentümer, für die die “Human Resources” immer transparenter werden und dabei auch noch die Renditen steigern.

Mach doch Urlaub – wenn Du Dich traust!

Fluch statt Segen ist auch die permanente Erreichbarkeit. Für digitalisierte Arbeitsplätze verschwimmen Freizeit und Arbeitszeit. Echte Erholung ist so nicht mehr möglich, wenn Telefonate und Mails die Arbeitnehmer auch nach Feierabend verfolgen. Das geschieht interessanterweise nicht auf Anweisung, sondern durch die Arbeitnehmer selbst, die Angst um ihre Karriere haben. Unternehmer wie Richard Branson rufen Bewunderung hervor, wenn sie ihren Angestellten gestatten, die Zahl und Termine ihrer Urlaubstage selbst zu bestimmen. Wer meint, dass die Angestellten dann 9 Monate Urlaub im Jahr machen, irrt gewaltig: Nirgends wird so wenig Urlaub gemacht wie in Unternehmen, die freien Urlaub erlauben. Denn das sind die Unternehmen, die ganz genau messen, ob sich irgendetwas verzögert, wenn jemand Urlaub nimmt. Und das ware es dann mit der Karriere – oder überhaupt mit dem Arbeitsplatz.

Lösung: Alternatives Wirtschaftssystem

Gesetzgeber und Gerichte haben dem nur scheinbar einen Riegel vorgeschoben. Wenn die Arbeitnehmer selbst in ihrer Freizeit Mails abrufen und auch im Urlaub am Ball bleiben „wollen“, weil sie „Leistung“ demonstrieren wollen, helfen keine Gesetze. Dann hilft nur ein alternatives Wirtschaftssystem wie das Ökonomische Balance System von economy4mankind.