Froschkoch des Monats Oktober 2016: IWF Chefin Christine Lagarde

Einlullen, schönreden, dementieren: Die Bewahrer des Status Quo wollen, dass das politische und ökonomische System immer weiter läuft. Gegen alle Vernunft. Gegen die Interessen der Mehrheit. Und grundsätzlich nicht zu Ende gedacht.

Im Oktober war das Gedränge um den “Froschkoch des Monats” (mehr über diesen Preis: hier) besonders groß. Zahreiche Journalisten propagierten TTIP, CETA und Hillary Clinton. Bernie Sanders wurde niedergeschrieben oder totgeschwiegen.

Unsere Jury beschloss, die Mainstream Medien für den Monat November zu nominieren, da in diesem Monat die US Wahl deren Ergebnis zeigt.

Zur Siegerin “Froschköchin des Monats Oktober 2016” kürte unsere Jury Christine Lagarde, Chefin des Internationalen Währungsfonds IWF.

Begründung: Warum Christine Lagarde?

Lagardes Worte und Taten hatten schwerste Konsequenzen für Südeuropa, insbesondere für die Griechen, sowie den gesamten Euro-Raum.

In der IWF Pressekonferenz vom 05.10.2016 mit dem absurden namen “Debt: Use it Wisely” (“Schulden: Nutzt sie weise”) empfehlen Lagardes Vertreter den Staaten, die sie selbst als völlig überschuldet bezeichnen, noch höhere Schulden. Damit soll – und diese Idee hatte ja noch nie jemand – Geld in die Infrastruktur investiert werden und neue Nachfrage geschaffen werden. Gleichzeitig fordert der IWF weiterhin, Löhne und Renten zu senken, die Steuern zu erhöhen möglichst viele Staatsbedienstete zu entlassen. Der IWF fordert also gleichzeitig, Schulden zur Ankurbelung einer Nachfrage aufzunehmen, und andererseits die Kaufkraft zur Nachfrage so weit wie möglich zu senken. Es heißt “weiter so” in einem völlig gescheiterten Konzept.

iwf washington froschkoch des monats christine lagarde

Hier sitzen nicht die hellsten Köpfe der Welt:
IWF in Washington D.C.
Bild: economy4mankind

Radikaler Schuldenschnitt gefordert – und selbst verweigert

Dabei Lagarde erkannte völlig richtig, dass die südeuropäischen Staaten unter der Last ihrer Schulden keine Zukunft haben. In Griechenland sind die Schulden in nur 8 Jahren von 120 % des BIP auf heute fast 200% des BIP gestiegen. Richtigerweise forderte Lagarde bereits im letzten Jahr einen radikalen Schuldenschnitt. Nur nicht für die Schulden beim IWF. Die sollen die bankrotten Südeuropäer zurückzahlen.

Nichts begriffen: Unendliches Wachstum durch immer höhere Schulden

„Jeder, der glaubt, exponentielles Wachstum kann andauernd weitergehen in einer endlichen Welt, ist entweder ein Verrückter oder ein Ökonom.“ (Kenneth Boulding)

Auf Seite 14 der Pressemitteilung (hier als pdf nachlesbar) fragt der IWF “Was lehrt uns die Geschichte?”. Der IWF lernt offensichtlich nichts.

Obwohl die weltweite Verschuldung allein von Staaten, Unternehmen und Privathaushalten (Banken und Versicherungen nicht einmal mit eingerechnet) auf einen neuen Rekordwert von 152 Billionen US-Dollar (136 Billionen Euro) gestiegen ist, empfiehltder IWF neue Schulden. Denn irgendwo müsse ja das unendliche ewige Wachstum her kommen. Dass unendliches ewiges Wachstum in einer endlichen Welt völlig unmöglich ist, versteht auch der Dümmste – nur die meisten Ökonomen nicht.

Banken, Banken, Banken

Dass Banken auch Konkurs gehen und vom Markt verschwinden dürfen, liegt jenseits des Horizonts von Frau Lagarde und ihren “Experten”. Stattdessen sorgt sie sich, dass rd. ein Drittel der europäischen Banken kein dauerhaft tragfähiges Geschäftsmodell besitzt. Um keine Branche sorgt sich der IWF annähernd so wie um Banken. Alle anderen Branchen und Bürger haben sich den Interessen der Banken unterzuordnen. Damit ganz im Sinne der Froschköche alles so krank bleibt wie es ist.

Bittere Realität hinter verschwurbelter Ökonomensprache

Auf Seite 13 unten schreibt der IWF: “Glaubwürdige Konsolidierungspläne und Strukturreformen können der Politik Handlungsspielräume für niedrigere Finanzierungskosten verschaffen und das Wachstumspotential steigern.”

Klartext: “Millionen Haushalte in den USA, Spanien, Griechenland etc. haben kein Dach mehr über dem Kopf, weil Schulden ausgebucht werden mussten, um Spekulanten- und Zinswucher-Banken zu retten. Die Banken sind uns nämlich wichtiger, und deren Spiel soll nedlos weiter gehen. Das Zinsniveau sank. Davon haben die Menschen nichts. Das ist und egal. Wir träumen unbeirrt weiter von unendlichem Wachstum, obwohl die Bürger / Konsumenten durch unsere Ratschläge extrem viel Einkommen verloren haben.”

Forschung und Entwicklung statt Krankenschwestern und Lehrern

“Die reinste Form des Wahnsinns ist es, alles beim Alten zu lassen und gleichzeitig zu hoffen, dass sich etwas ändert.” (Albert Einstein)

Im Bullshit-Bingo der Ökonomen ist neben “Infrastruktur”, “Reformen” und “Wachstum” der Begriff “Forschung und Entwicklung” ein weiteres sinnloses Buzzword. Der IWF will so “unwichtige” Menschen wie Krankenschwestern und Lehrer (die gleichzeitig zur personellen Infrastruktur gehören) entlassen. Vom eingesparten Geld soll “Forschung und Entwicklung” finanziert werden. Auf die vage Hoffnung hin, dass z.B. die Griechen, Spanier oder Portugiesen IPhones oder ähnliche wichtige Dinge erfinden.

Mit Konzepten, die in der Vergangenheit nicht funktioniert haben, will der IWF (und nicht nur er) die Probleme von Gegenwart und Zukunft lösen. Es wird Zeit, den IWF aufzulösen. Diese Froschköche schaden der Menschheit.