Niedrigzinsen: Kein Grund für Bankenkrise

bankenkrise niedrigzinsenSo gut wie alle Banken stecken in der Krise. Bankmanager und „Experten“ wie die Wirtschafts-Waisenkinder geben den Niedrigzinsen der EZB die Schuld. Das ist allerdings eine lahme Ausrede. Die Krise der Banken hat zwei andere Gründe. Man könnte diese beiden Gründe auch zu einem einzigen zusammenfassen: Der Kapitalismus frisst sich selbst auf.

Das Handelsblatt schreibt allen Ernstes: „Auch nach Ansicht der deutschen Wirtschaftsweisen birgt die Politik der Notenbank größere Risiken für die Geldhäuser. Mittelfristig stellt vor allem die Niedrigzinsphase im Euro-Raum das Geschäftsmodell der Banken grundsätzlich infrage, heißt es im Konjunkturausblick der Forscher.“

Die ratlosen neoliberalen Wirtschafts-Waisenkinder als „Forscher“ zu titulieren – das hat was. Darum irren die Massenmedien und die Wirtschafts-Waisenkinder auch hier:

Bei Kreditprofiten ist nur die Zinsmarge relevant

Ob sich eine Bank für 3% Geld bei der Zentralbank leiht und für 10% verleiht, oder für 0% leiht und für 7% verleiht: Die Zinsmarge – also der Rohgewinn – bleibt gleich. Und es kommt noch besser für die Banken:

Weniger Zinsen, weniger Kreditausfall

Je geringer der Zins ist, desto weiter sinkt das Risiko eines Kreditausfalls. Bank-Insolvenzen entstehen ja gerade durch faule Kredite. Also dadurch, dass die Schuldner die Zinslast nicht mehr tragen können. Folglich verdienen Banken bei sinkenden Zinsen schon allein deshalb mehr Geld mit Krediten, weil die Verluste niedriger sind.

Sinkender Zins, höhere Kreditnachfrage – theoretisch

Preisfrage: Wann nehmen Sie eher einen Kredit auf? Bei teuren Krediten mit hohen Zinsen? Oder bei billigen Krediten mit niedrigen Zinsen? Ob Privatperson, Unternehmer oder Öffentliche Haushalte: Selbstverständlich steigt die Nachfrage nach Krediten, je niedriger die Zinsen sind.

Niedrigzinsen würden also für eine höhere Anzahl Kredite sorgen – bei gleichen Margen pro Kredit. Unterm Strich stünden also höhere Gewinne. Allerdings nur theoretisch. Damit sind wir bei Grund Nr. 1 für die sinkenden Bank-Profite: Die Nachfrage nach Krediten wird immer schwächer – und das ist ein Symptom der neoliberalen Wirtschaftspolitik.

Grund Nr. 1: Neoliberale Wirtschaftspolitik

Große und mittlere Unternehmen schwimmen in Liquidität und brauchen keine Kredite – nicht einmal zu sehr niedrigen Zinsen. Sogar der Bankenverband stellt fest:  „Deutsche Unternehmen bekommen so günstig Kredite wie noch nie. Allerdings rufen sie die teilweise gar nicht ab… Es besteht in weiten Teilen des Euroraums und insbesondere in Deutschland kein Engpass beim Kreditangebot, sondern eher auf der Nachfrageseite. Viele Unternehmen in Deutschland sind so gut aufgestellt, dass sie ihre ohnehin gegenwärtig recht geringen Investitionen zu großen Teilen ohne Bankfinanzierung stemmen können.“

Kleinunternehmen, die keine Sicherheiten bieten können, erhalten nach wie vor keine Kredite. Geringverdiener erhalten bestenfalls kleine Ratenkredite im 3-stelligen Bereich. Und der größte Teil der Mittelschicht hat weder eine berufliche Planungssicherheit noch ein ausreichendes Einkommen, um einen Immobilienkredit abbezahlen zu können.

Die permanente Umverteilung von Konsumenten an Unternehmenseigentümer bedeutet: Die Einen brauchen keinen Kredit, und die Anderen bekommen keinen (in nennenswerter Höhe). Unternehmen, die mangels Massen-Kaufkraft einer schwachen Nachfrage gegenüber stehen, haben keinen Grund, zu investieren.

Das heißt: Je weiter die Schere zwischen Arm und Reich auseinander driftet, desto schlechter für das Geschäft der Banken. Je weniger Kreditnehmer eine ausreichende Bonität besitzen, desto irrelevanter werden die immer noch satten Margen bei Krediten:

Immer noch satte Margen bei Krediten

Tagesgeld ist unter den kurzfristig verfügbaren Spareinlagen diejenige mit den höchsten Zinsen. Sparkassen, Volksbanken und kleinere Privatbanken bieten durchschnittlich lediglich 0,02 Prozent Zinsen auf Tagesgeld. Große Banken bieten derzeit durchschnittlich 0,29 Prozent Zinsen. Für Girokontenguthaben zahlen Banken schon lange nichts mehr. Für Sparbücher zahlen sie 0,05-0,1 Prozent.

Mit anderen Worten: Die Kosten für die Beschaffung von Geld bei Sparern liegen praktisch bei null. Und die Kosten für die Beschaffung von Geld bei der Zentralbank liegt bei einem Zinssatz von null Prozent ebenfalls bei null.

Setzen wir dem die Erträge entgegen. Für die Überziehung des Girokontos nehmen die meisten Banken rd. 12 Prozent Dispo-Zinsen. Für Kreditkartenschulden nehmen Banken rd. 17 % Zinsen. Wenn man bedenkt, dass lt. Sparkassenverband die Hälfte aller Konten im Minus liegt, fließt da sehr viel Geld von Bürgern an Banken.

Wenn z.B. der Verband der Genossenschaftsbanken behauptet, „Die für das Geschäftsergebnis der Banken wichtige Zinsdifferenz zwischen Spareinlagen und vergebenen Krediten ist deutlich gesunken“,  dann ist das Unsinn. Je billiger Banken an Geld kommen, desto weiter könnten sie die Zinsmarge / Zinsdifferenz erhöhen – sofern die Nachfrage ausreichend wäre.

Der einzige negative Effekt: Direkte Eigenkapitalverzinsung

Es gibt zwei Arten von Eigenkapitalverzinsung. Die eine bezeichnet die Profite von Unternehmenseigentümern. Die andere findet man praktisch nur bei Banken. Bei Banken ist das Eigenkapital gleichzeitig die Sicherheitsreserve. Die Bankenvorschriften „Basel III“ schreiben Banken ein Mindest-Eigenkapital von 8 Prozent vor. Fast alle Banken bewegen sich in diesem Bereich oder umgehen das sogar, weil diese Sicherheitsreserve ein ziemlich totes Kapital ist. Banken dürfen ihr Eigenkapital nicht spekulativ anlegen, sondern müssen es in Wertpapiere mit höchster Bonität investieren – und dafür liegen die Zinsen derzeit bei null.

Dies ist für Banken der einzige negative Effekt der Niedrigzinsen. Da die meisten Banken die 8%-Grenze umgehen, indem sie z.B. „kreativ bilanzieren“ und zudem oft nur 1% der ausgegebenen Kredite mit Eigenkapital unterlegen, liegen die Verluste durch Niedrigzinsen im Promillebereich.

Es kann auch nicht die Aufgabe des Staatshaushalts sein, durch hochverzinsliche Staatsanleihen die Gewinne der Banken und Versicherungen hoch zu halten. Da Zinsen auf Staatsanleihen aus dem Staatshaushalt finanziert werden, wäre das nichts als eine Subventionierung der Banken und Versicherungen durch den Steuerzahler. Das ist als Geschäftsmodell gelinde gesagt nicht erhaltenswert.

Grund Nr. 2: Das Geschäftsmodell steht im Treibsand

Der zweite Grund, warum Banken tatsächlich in der Krise stecken, ist das gesamte Geschäftsmodell, das auf mehreren wackeligen Füßen steht.

  1. Der erste wackelige Fuß ist das Überangebot. Branchenvertreter sind sich einig, dass es zu viele Banken und zu viele Filialen gibt. Wie wir in „Bankencrash? Ja Bitte!“ erläuterten, wäre es überhaupt kein Problem, wenn bis auf 2-3 Bankgesellschaften (z.B. Sparkassen, Volksbanken, Postbank) alle anderen in Insolvenz gehen.
  2. Der zweite wackelige Fuß ist die Konkurrenz der Online-Banken – oft sogar als Tochtergesellschaften (z.B. Comdirect gegen Commerzbank).
  3. Der dritte wackelige Fuß ist das Kartenhaus der Wettbüro-Börsen, das heute größer und wackeliger denn je ist und keine ausreichenden sicheren Anlagen bieten kann. Da Spekulationen mit der Realwirtschaft ausgereizt sind, haben Banken diese natürlich Grenze ihres Wachstums ignoriert und mit Derivaten vorübergehend durchbrochen. Das Derivate-Kartenhaus basiert auf einem irrationalen Vertrauen in unmögliches ewiges Wachstum von heißer Luft. Und weil gerade die Banken wissen, dass das überhaupt nicht möglich ist, ist auch kein Vertrauen (mehr) da. Von der Mitte der 90er Jahre bis zur Finazkrise 2007 waren die Banken selbst überrascht, wie lange sich mit heißer Luft Geld machen ließ. Heute ist dieses Vertrauen und damit die Existenzgrundlage für das künstliche Wachstum durch Derivate zerstört.
  4. Und der vierte wackelige Fuß ist der Renditedruck der Aktionäre, der die Banken in hochriskante und oft auch kriminelle Strategien treibt. Warum laufen allein gegen die Deutsche Bank derzeit weltweit 6.800 Strafverfahren? Weil man auf legalem Weg mit dem langweiligen Tagesgeschäft wie Kontoverwaltung, Zahlungsverkehr und Krediten kein unendliches Wachstum und keine überzogenen Renditeerwartungen erfüllen kann.

Vollkommen ratlos: Der Bankenverband

Wir reagiert der Bankenverband auf die Krise seiner Mitglieder? Er will Öl ins Feuer gießen:

„Entscheidend ist nun, dass die Euro-Staaten die Zeit, die ihnen die EZB durch die Nullzins-Politik eingeräumt hat, nutzen, um die notwendigen Reformen umzusetzen und ihre wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu verbessern.“

Mit anderen Worten: Kosten senken, Arbeitnehmer entlassen, Löhne drücken, Renten kürzen, Steuern erhöhen – also: Kaufkraft senken, Nachfrage senken. Die neoliberale Politik, die die Nachfrage u.a. nach Bank-Produkten weiter senkt, soll noch extremer werden. Damit zerstört der Bankenverband die Geschäftsgrundlage der Banken.

Fazit: Der Kapitalismus frisst sich selbst und die Banken auf

Vor allem die Punkte 3 und 4 des „Geschäftsmodells im Treibsand“ zeigen: Der Kapitalismus frisst nicht nur sich selbst auf, sondern auch seine mächtigsten Akteure. Bisher kaufen sich die Banken durch die von ihnen gekauften bzw. fachlich vollkommen überforderten Politiker lediglich Zeit. Die Bürger in aller Welt werden noch eine Weile weiter gezwungen, die größten Schädlinge der Welt zu „retten“ und zu subventionieren. Je weiter der Zusammenbruch hinaus gezögert wird, desto großer wird das Bankencrash. Es wird ein reinigendes Gewitter geben müssen. In „Bankencrash? Ja Bitte!“ zeigen, ist das die Lösung dieses Problems.

Im nächsten Blogbeitrag widmen wir uns der Deutschen Bank, die sogar die Linke Sahra Wagenknecht retten will. Wir werden erläutern, warum die Deutsche Bank schnellstmöglich abgewickelt werden muss.

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